Schulentwicklung Voerde – Wichtige Weichen werden heute gestellt

Im Stadtrat von Voerde soll heute ein sogenannter „Tendenzbeschluss“ gefasst werden. Dahinter verbirgt sich, dass die Politik Ihren Willen ausdrücken wird, in Voerde und für Voerde eine neue Gesamtschule zu errichten. Im unmittelbaren Anschluss daran wird dann die Verwaltung eine Elternbefragung starten.

Diese Befragung ist letztlich das Instrument, dass der Gesetzgeber vorgesehen hat um zu verhindern, dass „Politik im Elfenbeinturm“ über den Willen der Eltern befindet. Und auch in Voerde, wo vor allem die beiden Zukunftswerkstätten ein deutliches Bild geliefert haben, wird man mit Spannung auf das Ergebnis der Befragung warten.

Natürlich bleibt das nicht ohne Diskussion. So stellt sich vor allem W. Ellenberger, der bei der letzten Kommunalwahl als Einzelbewerber für den Rat gescheitert ist, wieder in die Öffentlichkeit. Er wettert gegen die Gesamtschule, gegen die Politik, ja selbst gegen den Gutachter.

Die aufkommenden Diskussionen inklusive den üblichen „Flugblättern“ lassen natürlich auch alle anderen in Voerde aufhorchen. Vor allem, wenn mit falschen und ungenauen Aussagen die Eltern verunsichert werden sollen.

Denn schließlich sollte man gerade die Frage nach der zukünftigen Schullandschaft einer Stadt möglichst nicht mit Emotionen diskutieren. Sondern an den Fakten orientiert. Die in Voerde unter anderem lauten, dass wir erstens zukünftig keine 500 Kinder mehr auf weiterführende Schulen schicken, sondern nur noch ca. 270 pro Jahr. Zu wenig für 3 Schulen. Und zweitens, dass schon heute mehr als ein Drittel (!) aller Schüler zum Lernen die Stadt verlässt.

Insofern ist es bemerkenswert, dass am Samstag eine Pressemitteilung veröffentlicht wurde, die von fast allen Akteuren der Politik in Voerde gemeinsam geschrieben wurde: Wir Grünen, die WGV, die Linke, die SPD, der fraktionslose Ratsherr und sogar die in der Frage nicht einheitlich aufgestellte CDU haben über die NRZ und die RP noch ein Mal betont, wie in Voerde die weitere Entwicklung voran gehen wird. Mit und nicht über die Köpfe oder gar gegen den Willen der Eltern hinweg. Und das eben nicht heute über das Aus der Realschule entschieden wird, wie oft fälschlich behauptet.

140823_NRZ_Schulentwicklung (PDF)

140823_RP_Schulentwicklung (PDF)

Kurz darauf meldet sich auch die FDP in Voerde noch ein Mal zu Wort. Deren einziger Vertreter im Rat, Bernhard Benninghoff, gibt sich pikiert:

Zum einen bestätigt er, dass er an der Erklärung nicht beteiligt war. Zum anderen wurder er aber auch nicht zu dem vorangegangenen Gespräch eingeladen und hat somit erst aus der Zeitung von der gemeinsamen Erklärung erfahren.

140825_RP_Benninghoff zur Schulentwicklung (PDF)

Aber bevor hier falsche Eindrücke entstehen: Vielleicht wurde die FDP ja auch deshalb nicht eingeladen(*), weil man erwarten musste, dass sie sich einer gemeinsamen Erklärung ohnehin verweigert.

Denn man darf ja nicht außer Acht lassen, dass die FDP ja die Partei ist, die sich auch gerne schon mal in Verschwörungstheorien ergeht. Aktuell: Ungeachtet der fast gleichlautenden Aussagen des Kreises ist das angekündigte Nein der Bezirksregierung Düsseldorf zur Verlagerung des Sportparks nicht das Ergebnis falscher Abwägungsprozesse der Stadt. Sondern schlicht Kungelei:

Ganz einfach: man kungelt total transparent mit den grünen Parteifreunden – pardon: mit der grünen ParteifreundIn – auf einflussreichem Posten, über dessen Besetzung die Bürger praktischerweise nicht unmittelbar entscheiden können. So ein kleiner Plausch unter gleichgesinnt-linientreuen IdeologInnen – da kommen dann schon einmal Entscheidungen heraus, die den Bürgerwillen konsequent ignorieren.

Wenn ein Herr Benninghoff ernsthaft glaubt, dass die Grünen in Voerde Einfluß auf die Präsidentin der Bezirksregierung haben, dann wirft das auch ein interessantes Licht auf das interne Politikverständnis der FDP. Das gilt übrigens auch dafür, wie die Funktion der Regierungspräsidentin / des Regierungspräsidenten besetzt wird.

Da sollte die FDP, da sollte Herr Benninghoff jetzt doch einmalt tief in sich gehen und überlegen, warum man wohl nicht eingeladen wurde. Vielleicht gilt man mit der derzeitigen „wir gegen alles“-Haltung in Voerde einfach nicht als verlässlicher Gesprächspartner, wenn es um schwierige und tief greifende Entscheidungen geht.

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(*) Warum die FDP tatsächlich nicht eingeladen wurde, ist nicht bekannt. Die Grünen waren ebenfalls eingeladen und nicht Einlader.

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