Monats-Archive: November 2016

Straßen in Voerde – das darf doch alles nicht wahr sein :-)

Zunächst die gute Nachricht: Die völlig verstummte FDP Voerde hat ihre Sprache wiedergefunden. Zumindest in Form von Schriftsprache und so veröffentlich sie einen wütenden Kommentar zur Neugestaltung der Dinslakener Straße in Voerde.

Zudem meldet sich Werner Ellenberger zur A59 / B8n-Diskussion zu Wort.

Schon an dieser Einleitung kann man erkennen, dass großartige Unterhaltung droht. Und so beginnt ein Schauspiel in zwei Kapiteln.

Kapitel 1 – die FDP, eine Kreisstraße und die Bestrafung

Der Kreis möche endlich die K17 erneuern. Dazu gibt es eine Drucksache(PDF), die die Planung vorstellt. Diese bringt die FDP zum Schäumen und serviert uns einen Blogeintrag, der es in sich hat.

So wird zum Beispiel die These, dass eine breite, gerade Straße zu höherem Tempo verführt übersetzt mit:

„Die Benutzer des Dinslakener Straße sind zu beschränkt, um sich über eine Spanne von mehr als 5 Sekunden hinweg an die Tatsache zu erinnern, dass sie sich in einer geschlossenen Ortschaft mit entsprechender Geschwindigkeitsbegrenzung befinden“.

Wow. Das ist natürlich harter Tobak.  Ist aber nur die Einleitung dafür, dass die FDP sich dann so richtig warm läuft. Ab sofort ist es keine Erneuerung der Staße mehr, sondern eine

„extrem teure Kollektivstrafmaßnahme in Gestalt eines widersinnigen Bauprojekts (.)“

Das muss man erst mal so hin nehmen. Und wenn man sich jetzt fragt um was geht es der FDP eigentlich wirklich: Das ist schnell erklärt.

Der FDP geht es darum, dass die Dinslakener Straße zu Gunsten(!) des Fuß- und Radverkehrs verkleinert werden soll. Denn, so lernen wir bei der FDP:

Die wahre Gefahr sind nicht die Raser. Es sind Radfahrer, die nebeneinander fahren.

„Das Konzept sieht daneben auch einen massiven Ausbau der schon jetzt sehr großzügig bemessenen Rad- und Gehwege vor. Es ist aber – bspw. kurz nach Schulschluß – häufig zu beobachten, dass Gruppen von Radfahrern Rad- und Gehweg nebeneinander benutzen. Wäre es im Sinne des eingangs skizzieren „Kollektivstrafprinzips“ dann nicht „logisch“, Rad- und Gehwege so rückzubauen, dass bestimmte Radfahrer nicht mehr zu derartigem Frevel „verleitet“ werden?“

Und obwohl die Anzahl der Spuren nicht verringert wird, fabuliert man munter von neuen Staus. Das ganze wird dann getoppt von folgender Aussage:

„Weiterhin ist zu bedenken, dass eine künstlich verengte Fahrbahn weniger Raum für notfallmäßige Ausweichmanöver bietet, die bspw. zur Vermeidung von Unfällen erforderlich werden können – das Unfallrisiko steigt also, die Straße wird nicht sicherer, sondern gefährlicher.“

Wenn jetzt der FDP mal irgendjemand erklären könnte, dass zu den Hauptunfallursachen Fehler beim Abbiegen, mangelnder Abstand und zu hohe Geschwindigkeit gehören. Und wenn man dann der FDP noch klar machen könnte, dass die „notfallmäßigen Ausweichmanöver“ in der Regel durch genau diese Hauptunfallursachen überhaupt erst nötig werden? Von der Sache mit „langsamer Verkehr ist sicherer Verkehr“ will ich dabei gar nicht erst anfangen.

Die FDP macht aber klar, was sie will: Schnelle breite Straßen und keine Störungen durch Radfahrer und andere.

Interessant ist nämlich folgendes: Es gibt tatsächlich einen großen Kritikpunkt über den man reden sollte. Und zwar die Radverkehrsführung am Kreisverkehr. Aus unbekannter Ursache geht man hier einen anderen Weg als an der Bahnhofstraße/Alexanderstraße oder am Ausgang Wohnungwald.

An den genannten Beispielen führt man den Radverkehr auf die Straße, wo er im Blickfeld der Fahrzeugführer ist. Eine sehr gute Lösung, die erheblich zur Sicherheit beiträgt.

An dem neuen geplanten Kreisel aber führt man die Radwege drumherum und verengt sie. Hier sind Unfälle durch Abbiegefehler vorprogrammiert, weil viele Verkehrsteilnehmer die Abbiegesituation, die Querungsfurt für Radfahrer und den Zebrastreifen falsch interpretieren werden.

Aber gut, die FDP bedient halt ein Klientel und für das macht sie alles. Auch in Voerde.

Klientel ist aber eine schöne Überleitung.

Kapitel 2 – Werner Ellenberger, die A59 und die B8n

Werner Ellenberger, die älteren Menschen erinnern sich, war schon bei der Umbenennung der Hindenburgstraße sehr umtriebig.

Und so ist er natürlich berufen, in seinem Blog und im Interet die „A59 – Gute Lösung für alle“ zu präsentieren. Dabei irritiert ihn auch nicht der erhebliche Gegenwind, der ihm in den Kommentaren auf Facebook entgegenweht.

Das Problem an der „Lösung“ die Herr Ellenberger präsentiert, ist dualer Natur.

Der erste Teil liegt auf der Hand: Wer Straßen sät wird Staus ernten. Eine intelligente Verkehrsplanung kann nicht mehr Straßen für mehr Autos bauen, die dann noch mehr Straßen brauchen. Im Gegenteil, die Reduktion des Aufkommens muss dramatisch verringert werden. Das geht nur durch ineinander greifende Konzepte für Menschen und Frachten. Und hier sind Lösungen wie z. B. Stärkung der Schiene gefragt. Autofahren muss zu etwas werden, dass man sich gut überlegt und das man nur macht, wenn es keine bessere Alternative gibt. Und Frachten auf die Straße zu bringen muss das „letzte Mittel“ sein.

Aber der Vorschlag von Herrn Ellenberger ist natürlich in erster Linie geleitet von eigenen Interessen. Da dürfen dann halt auch ruhig die Rheindörfer von Voerde abgeschnitten werden, Baudenkmäler und Wohnhäuser weichen müssen. Ihm das vorzuwerfen wäre aber zu kurz gegriffen.

Tatsächlich nämlich wurde hier das System erkannt und genutzt, dass federführend den Bundesverkehrswegeplan prägt. Oder wie die Grünen aktuell feststellen:

Im neuen Bundesverkehrswegeplan stehen mehr als tausend Projekte, die in den nächsten fünfzehn Jahren gebaut werden sollen. Viele davon sind nicht sinnvoll. Prestigeprojekte, unnötig teuer trotz sinnvoller Alternativen. Der Bundesrechnungshof hat das derzeitige Verfahren bereits kritisiert. Nicht nur der Sinn und die Umweltbilanz vieler Projekte sind fragwürdig. Nach welchen Kriterien werden die Projekte tatsächlich ausgewählt? Besonders auffällig ist, dass sehr viel Geld in Wahlkreise einflussreicher Bundestagsabgeordneter fließt.

Eine wunderschöne Auflistung von Projekt und Wahlkreis findet sich hier: Klick!

Fazit

Man kann als Mensch in Voerde nur noch verwundert den Kopf schütteln: Die FDP tut so, als wären Straßen wie die Dinslakener Straße noch zeitgemäß und als müsse man alles für den PKW-Verkehr tun. Während andere Akteure auf Biegen und Brechen unbedingt ein Verkehrsprojekt umsetzen wollen, dass Voerde nicht braucht und das der Stadt erheblich schaden würde.

Übrigens: Die zeitliche Nähe der FDP-Attacke zur Landtagswahl ist rein zufällig und hat nichts zu bedeuten 😀

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Nachtrag 30.11

Die FDP schreibt, Ihr letzter Beitrag sei vom 02.05.2016 von B. Benninghoff gewesen und nicht geschrieben von 2014. Das mag sein, wenn man die persönliche Äußerung zählt. Bei diesem Blogeintrag ging es um politische Äußerungen der Partei und da orientiere ich mich an der Website. Anbei ein Screenshot von heute.
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Ob jetzt ein Schweigen seit Anfang Mai allerdings besser ist, sei dahingestellt. Vor allem unter Berücksichtigung der absoluten Sprachlosigkeit bei der KAB-Veranstaltung. Denn da hätte man sich ja vielleicht mal mit echten Menschen auseinander setzen können, die nicht das eigene Parteibuch haben.

 

Tagebuch eines Bundestagskandidaten: 26.11.2016

Ich dachte mir, wenn ich schon für den Bundestag kandidiere, kann ich ja auch ein Tagebuch darüber führen. Dabei möchte ich loser Folge von den Orten, Menschen und Ereignissen berichtem die mir bis zur Bundestagswahl begegnen.

Anfangen möchte ich mit der Einladung zum Winterfest des Friedensdorf International e.V in Oberhausen.

Über Facebook bin ich mit Tobias Marner in Kontakt gekommen. Tobias und mich verbindet die Liebe zum Radfahren und über eine extreme Tour von Essen nach Peking kam er 2008 mit dem Friedensdorf in Begegnung. Und nach ein paar Chats lud er mich „zu sich“ ein. Also bin ich mit Julia zusammen nach Oberhausen.

img_9291Das Friedensdorf war für mich eher ein Abstrakter Begriff. Mein Wissen beschränkte sich im Wesentlichen auf das, was man aus der Wikipedia erfahren konnte. Von daher war es besonders schön, mit einem langjährigen Mitarbeiter mal durch die Gebäude (grötenteils gespendet von den Lions) zu können und zu erfahren, wo aktuell die Herausforderungen liegen.

Ziemlich schnell wird dabei klar, dass das Friedensdorf nicht über fehlende Einsatzmöglichkeiten klagen kann. Die Konflikte haben sich (geografisch) seit der Gründung 1967 verschoben – wirklich weniger wurden sie aber nicht. Angesichts dessen sind aber neue Herausforderungen dazu gekommen, die es zu meistern gilt: Lange haben z. B. Krankenhäuser kostenlos 1-2 Betten (muss man sich vorstellen: Ein GANZES Krankenhaus stellt NUR 1-2 Betten) zur Verfügung gestellt. Aber unter dem anhaltenden wirtschaftlichen Druck und der irren Annahme, Krankenhäuser müssten Gewinne erwirtschaften, werden selbst diese nicht mehr bereit gestellt.

Und so kann man eigentlich die Geschichte zusammenfassen mit: Auf jeden Erfolg folgt ein Rückschlag.

img_9292Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ist es aber schön zu sehen, dass mehrere hundert Freiwillige und junge Menschen aus der ganzen Welt die Arbeit des Friedensdorfes unterstützen. Und es ist auch wunderschön zu sehen, wie viele Kinder (in der Regel um die 200) zusammenleben – ohne die Konflikte mitzubringen, die ihren Eltern das Leben schwer machen. Alter, Religion, Hautfarbe, Geschlecht, all das scheint im Friedensdorf nur am Rande eine Rolle zu spielen.

Zwei mal im Jahr wird dann ein großes Fest veranstaltet. Ein Mal im Sommer und – wie jetzt – im Winter. Die Einnahmen unterstützen natürlich die Arbeit des Friedensdorf International und wir haben uns gefreut zu sehen, wie viele Menschen über den Tag den Weg nach Oberhausen gefunden haben und, so unser Eindruck, auch gerne ihr Geld dort gelassen haben.

Wenn ich mir jetzt, kurz vor Weihnachten, mal die Welt ansehe, dann denke ich mir, dass die Arbeit in den nächsten Jahren auch nicht weniger wird. Sondern mehr. Und vielleicht kann ja eine gelebte tolerante Kleinwelt, wie die des Friedensdorfes auch auf uns ausstrahlen: Wenn dort mehr als 200 Kinder friedlich zusammen leben und sich nicht um Religion und Aussehen scheren: Sollten wir das nicht auch schaffen?

Kommunalpolitischer Dämmerschoppen der KAB

_1140408Wie jedes Jahr im November, fand gestern Abend in den Räumen der KAB in Friedrichsfeld der Kommunalpolitische Dämmerschoppen statt. Hier werden alle Fraktionen eingeladen, mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam über aktuelle Themen zu sprechen.

 

Für die Parteien waren Anwesend: Christian Garden, WGV (nicht auf dem Bild, weil er nich mit uns an einem Tisch sitzen wollte 😉 ), für die SPD Stefan Weltgen, für die CDU Ingo Hülser, Joachim Kinder für die Linke und Michaela Niewerth als Vertreterin der FDP.

Und natürlich unser FraVo Stefan Meiners.

Im Gegensatz zu 2015, in dem die Themenlage teils sehr kontrovers war, war die Stimmung dieses Jahr deutlich entspannter. Schon fast gelöst. Das lag daran, dass bei den gewählten Themen eigentlich eine sehr große Einigkeit bei allen politischen Vertretern herrscht.

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Sei es B8n (wollen wir nicht), die Sporthalle am GV (kann ja wohl nicht wahr sein) oder die nicht ausreichenden Personalkapazitäten in verschiedenen Bereichen der Verwaltung.

Für uns Grüne etwas irritierend war, dass die einzige Frau in der Runde gar nicht zu Wort kam. Trotz mehrfacher auch direkter Ansprache konnte Frau Niewerth leider zu keinem der angesprochenen Themen ein Kommentar entlockt werden. Ihre Mutter richtete aus dem Publikum heraus auch einige Worte an die Politik, die zukünftige Ratsfrau Niewerth allerdings… schwieg.

Ohne zu weit vom Thema abweichen zu wollen: Das entspricht aber wohl  auch der Linie der FDP, denn wenn man sich die Website der Liberalen anschaut, insbesondere den Teil der Voerde direkt betrifft, ist dort seit 2014 Ebbe.

Das Schweigen war sehr bedauerlich, denn es wäre eine prima Gelegenheit gewesen, sich mal abseits der Ratssitzuntgen kennen zu lernen. Zumal, wie oben beschrieben, ohnehin große Einigkeit herrschte.

Natürlich gab es Unterschiede, die lagen aber im Detail. Wenn für die WGV alles wesentlich weniger gut aussieht, als für die anderen oder wenn die Linke dann Enteignungen fordert, dann knirscht es natürlich schon mal. Aber selbst, als der Vertreter der Linken – völlig abseits allen derzeitigen Kenntnissen – androht, dass das Aus der STEAG zu einer erneuten Erhöhung der Grundsteuer B führen würde. Aber das waren halt so kurze Abschnitte, dass man sie unter „irgendwie müssen sich die Parteien ja abgrenzen“ abhaken kann.

Insgesamt aber eine gelungene Veranstaltung und wir freuen uns auf das nächste Jahr. Und vielleicht kann der Veranstalter, die KAB, ja auch dem Wunsch unseres FraVo entsprechen, mal einen Termin zu  wählen, der nicht zeitgleich mit der Voerder Sportschau liegt. Denn leider kann man ja immer nur auf einer Hochzeit gleichzeitig tanzen.

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Die Fotos wurden uns von Jürgen Berger, KAB Friedrichsfeld zur Verfügung gestellt.