Straßen in Voerde – das darf doch alles nicht wahr sein :-)

Zunächst die gute Nachricht: Die völlig verstummte FDP Voerde hat ihre Sprache wiedergefunden. Zumindest in Form von Schriftsprache und so veröffentlich sie einen wütenden Kommentar zur Neugestaltung der Dinslakener Straße in Voerde.

Zudem meldet sich Werner Ellenberger zur A59 / B8n-Diskussion zu Wort.

Schon an dieser Einleitung kann man erkennen, dass großartige Unterhaltung droht. Und so beginnt ein Schauspiel in zwei Kapiteln.

Kapitel 1 – die FDP, eine Kreisstraße und die Bestrafung

Der Kreis möche endlich die K17 erneuern. Dazu gibt es eine Drucksache(PDF), die die Planung vorstellt. Diese bringt die FDP zum Schäumen und serviert uns einen Blogeintrag, der es in sich hat.

So wird zum Beispiel die These, dass eine breite, gerade Straße zu höherem Tempo verführt übersetzt mit:

„Die Benutzer des Dinslakener Straße sind zu beschränkt, um sich über eine Spanne von mehr als 5 Sekunden hinweg an die Tatsache zu erinnern, dass sie sich in einer geschlossenen Ortschaft mit entsprechender Geschwindigkeitsbegrenzung befinden“.

Wow. Das ist natürlich harter Tobak.  Ist aber nur die Einleitung dafür, dass die FDP sich dann so richtig warm läuft. Ab sofort ist es keine Erneuerung der Staße mehr, sondern eine

“extrem teure Kollektivstrafmaßnahme in Gestalt eines widersinnigen Bauprojekts (.)”

Das muss man erst mal so hin nehmen. Und wenn man sich jetzt fragt um was geht es der FDP eigentlich wirklich: Das ist schnell erklärt.

Der FDP geht es darum, dass die Dinslakener Straße zu Gunsten(!) des Fuß- und Radverkehrs verkleinert werden soll. Denn, so lernen wir bei der FDP:

Die wahre Gefahr sind nicht die Raser. Es sind Radfahrer, die nebeneinander fahren.

“Das Konzept sieht daneben auch einen massiven Ausbau der schon jetzt sehr großzügig bemessenen Rad- und Gehwege vor. Es ist aber – bspw. kurz nach Schulschluß – häufig zu beobachten, dass Gruppen von Radfahrern Rad- und Gehweg nebeneinander benutzen. Wäre es im Sinne des eingangs skizzieren „Kollektivstrafprinzips“ dann nicht „logisch“, Rad- und Gehwege so rückzubauen, dass bestimmte Radfahrer nicht mehr zu derartigem Frevel „verleitet“ werden?”

Und obwohl die Anzahl der Spuren nicht verringert wird, fabuliert man munter von neuen Staus. Das ganze wird dann getoppt von folgender Aussage:

“Weiterhin ist zu bedenken, dass eine künstlich verengte Fahrbahn weniger Raum für notfallmäßige Ausweichmanöver bietet, die bspw. zur Vermeidung von Unfällen erforderlich werden können – das Unfallrisiko steigt also, die Straße wird nicht sicherer, sondern gefährlicher.”

Wenn jetzt der FDP mal irgendjemand erklären könnte, dass zu den Hauptunfallursachen Fehler beim Abbiegen, mangelnder Abstand und zu hohe Geschwindigkeit gehören. Und wenn man dann der FDP noch klar machen könnte, dass die “notfallmäßigen Ausweichmanöver” in der Regel durch genau diese Hauptunfallursachen überhaupt erst nötig werden? Von der Sache mit “langsamer Verkehr ist sicherer Verkehr” will ich dabei gar nicht erst anfangen.

Die FDP macht aber klar, was sie will: Schnelle breite Straßen und keine Störungen durch Radfahrer und andere.

Interessant ist nämlich folgendes: Es gibt tatsächlich einen großen Kritikpunkt über den man reden sollte. Und zwar die Radverkehrsführung am Kreisverkehr. Aus unbekannter Ursache geht man hier einen anderen Weg als an der Bahnhofstraße/Alexanderstraße oder am Ausgang Wohnungwald.

An den genannten Beispielen führt man den Radverkehr auf die Straße, wo er im Blickfeld der Fahrzeugführer ist. Eine sehr gute Lösung, die erheblich zur Sicherheit beiträgt.

An dem neuen geplanten Kreisel aber führt man die Radwege drumherum und verengt sie. Hier sind Unfälle durch Abbiegefehler vorprogrammiert, weil viele Verkehrsteilnehmer die Abbiegesituation, die Querungsfurt für Radfahrer und den Zebrastreifen falsch interpretieren werden.

Aber gut, die FDP bedient halt ein Klientel und für das macht sie alles. Auch in Voerde.

Klientel ist aber eine schöne Überleitung.

Kapitel 2 – Werner Ellenberger, die A59 und die B8n

Werner Ellenberger, die älteren Menschen erinnern sich, war schon bei der Umbenennung der Hindenburgstraße sehr umtriebig.

Und so ist er natürlich berufen, in seinem Blog und im Interet die “A59 – Gute Lösung für alle” zu präsentieren. Dabei irritiert ihn auch nicht der erhebliche Gegenwind, der ihm in den Kommentaren auf Facebook entgegenweht.

Das Problem an der “Lösung” die Herr Ellenberger präsentiert, ist dualer Natur.

Der erste Teil liegt auf der Hand: Wer Straßen sät wird Staus ernten. Eine intelligente Verkehrsplanung kann nicht mehr Straßen für mehr Autos bauen, die dann noch mehr Straßen brauchen. Im Gegenteil, die Reduktion des Aufkommens muss dramatisch verringert werden. Das geht nur durch ineinander greifende Konzepte für Menschen und Frachten. Und hier sind Lösungen wie z. B. Stärkung der Schiene gefragt. Autofahren muss zu etwas werden, dass man sich gut überlegt und das man nur macht, wenn es keine bessere Alternative gibt. Und Frachten auf die Straße zu bringen muss das “letzte Mittel” sein.

Aber der Vorschlag von Herrn Ellenberger ist natürlich in erster Linie geleitet von eigenen Interessen. Da dürfen dann halt auch ruhig die Rheindörfer von Voerde abgeschnitten werden, Baudenkmäler und Wohnhäuser weichen müssen. Ihm das vorzuwerfen wäre aber zu kurz gegriffen.

Tatsächlich nämlich wurde hier das System erkannt und genutzt, dass federführend den Bundesverkehrswegeplan prägt. Oder wie die Grünen aktuell feststellen:

Im neuen Bundesverkehrswegeplan stehen mehr als tausend Projekte, die in den nächsten fünfzehn Jahren gebaut werden sollen. Viele davon sind nicht sinnvoll. Prestigeprojekte, unnötig teuer trotz sinnvoller Alternativen. Der Bundesrechnungshof hat das derzeitige Verfahren bereits kritisiert. Nicht nur der Sinn und die Umweltbilanz vieler Projekte sind fragwürdig. Nach welchen Kriterien werden die Projekte tatsächlich ausgewählt? Besonders auffällig ist, dass sehr viel Geld in Wahlkreise einflussreicher Bundestagsabgeordneter fließt.

Eine wunderschöne Auflistung von Projekt und Wahlkreis findet sich hier: Klick!

Fazit

Man kann als Mensch in Voerde nur noch verwundert den Kopf schütteln: Die FDP tut so, als wären Straßen wie die Dinslakener Straße noch zeitgemäß und als müsse man alles für den PKW-Verkehr tun. Während andere Akteure auf Biegen und Brechen unbedingt ein Verkehrsprojekt umsetzen wollen, dass Voerde nicht braucht und das der Stadt erheblich schaden würde.

Übrigens: Die zeitliche Nähe der FDP-Attacke zur Landtagswahl ist rein zufällig und hat nichts zu bedeuten 😀

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Nachtrag 30.11

Die FDP schreibt, Ihr letzter Beitrag sei vom 02.05.2016 von B. Benninghoff gewesen und nicht geschrieben von 2014. Das mag sein, wenn man die persönliche Äußerung zählt. Bei diesem Blogeintrag ging es um politische Äußerungen der Partei und da orientiere ich mich an der Website. Anbei ein Screenshot von heute.
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Ob jetzt ein Schweigen seit Anfang Mai allerdings besser ist, sei dahingestellt. Vor allem unter Berücksichtigung der absoluten Sprachlosigkeit bei der KAB-Veranstaltung. Denn da hätte man sich ja vielleicht mal mit echten Menschen auseinander setzen können, die nicht das eigene Parteibuch haben.

 

2 Antworten auf Straßen in Voerde – das darf doch alles nicht wahr sein :-)

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