Podiumsdiskussion bei der Rheinischen Post

Am Mittwoch fand Abends in den Räumen der Rheinischen Post in Wesel eine Podiumsdiskussion statt. Geladen waren die Bundestagsbewerber/-innen des Wahlkreises 115 Wesel 1 und ungefähr 50 Leserinnen und Leser der RP. Geleitet wurde die Veranstaltung von Sebastian Peters, dem Leiter der Lokalredaktion. Da ich wenig Erfahrung mit solchen Diskussionen habe, war das schon spannend. Und da ich mit dem Format “Leser fragen” noch nie zu tun hatte, noch mehr.

Nachfolgend meine ganz persönlichen Eindrücke von der Veranstaltung, über die man am Freitag wohl ausführlich lesen können wird:

Das Erste was mir aufgefallen ist war, dass vom Podium aus gesehen die Reihenfolge der Kandidaten von Links nach Rechts passte: PDL, Grüne, (FDP), SPD, CDU und die extreme Rechte. Der Kandidat der Letzteren muss irgendwie bei der RP in Ungnade gefallen sein, denn erstens war er der Einzige, der ein reines Papier-Namensschild hatte. Er schien auch nicht sonderlich beliebt zu sein (auch nicht beim Moderator) und erhöhte seine Beliebtheit auch nicht, als er in der Vorstellungsrunde betonte, er sei Doktor.

Die Fragerunde ging sehr spannend damit los, als ein junger Mann aus Afghanistan wissen wollte, ob wir das Land für sicher und geeignet für die Aufnahme von Abschiebungen ist. Spannend war zu sehen, wie die CDU-Kandidatin sich wand um zu verkaufen, es gäbe ja Regionen die sicher wären. Der Herr von der Rechten hatte da weniger Probleme und verwies darauf, dass Krieg in Ländern ja nie überall gleichzeitig wäre. Auf die Frage warum er dann keinen Urlaub dort machen würde, betonte er, seine Frau hätte als Amerikanische Soldatin dort gedient. Interessant. Es war übrigens der Doktor-Kandidat, der auf der Website seiner eigenen Partei nicht mal ein Foto hat und weder beim WDR, noch bei Abgeordnetenwatch auftaucht.

Sabine Weiß von der CDU fiel mir dann noch mal sehr unangenehm auf, weil sie sich standhaft weigerte eine eigentlich einfache Frage nach Gerechtigkeit zu beantworten und sogar richtig laut wurde. Ich fand sie unangemessen arrogant den Menschen gegenüber und aus den Reaktionen glaube ich entnehmen zu können, dass das Publikum das auch so sah. Die CDU-Kandidatin musste dann auch ganz schnell wieder gehen, keine Zeit, sie wissen schon. Für den Kandidatencheck beim WDR und Abgeordentenwatch hatte sie übrigens auch keine Zeit.

Bei der zweiten Frage habe ich mir leider einen Patzer erlaubt. Ich dachte der Fragesteller will was über die Chancen und Risiken der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt wissen. Tatsächlich konkretisierte er hinterher in Richtung Bildungschancen und Gleichheit – da war meine Antwort aber ja schon weg. Sehr schön wieder der Herr von der Rechten der zu berichten wußte, dass wer Abitur hat, ja längst nicht in der Lage sein muss, auch die Leistungen für ein Abitur zu erbringen. Leider führte er das nicht weiter aus.

Sehr schön war auch sein Wunsch, die GEZ-Steuer (ja wirklich, GEZ und das sei “wie eine Steuer”) abzuschaffen. Weil er nicht dafür bezahlen will, dass seine Partei in den deutschen Medien immer falsch dargestellt wird. Was komisch war, weil ich den Eindruck hatte, dass er sich als genau der politisch extrem Rechte darstellte, den ich in genau der Partei erwartet habe.

Er führte auch nicht weiter aus, gegen wen die Bundeswehr denn die Grenzen schützen muss. Denn seine Forderung war, die Bundeswehr müsse Deutschlands Grenzen gegen Eindringlinge schützen. Flüchtlinge auf dem Mittelmeer sind übrigens für ihn keine Flüchtlinge, sondern Migranten. Ob es das besser macht, wenn sie ertrinken, beantwortete er auch nicht.

Was die Flüchtlinge angeht habe ich mich auch sehr geärgert. Nicht nur über die merkwürdigen Einstellungen des Doktors. Auch die FDP griff hier tief ins Klo, als deren Vertreter meinte, Einwanderung müsse nach Türen geregelt werden. Sinngemäß Tür 1 für Kriegsflüchtlinge, 2 für politisch Verfolgte, 3 für hoch gebildete und 4 für die die zurück müssen. Da bin ich dann explodiert und habe gefragt,

  • was für ein beschissenes Weltbild das eigentlich ist, in dem Menschen in Gruppen eingeteilt und für Würdig oder nicht befunden werden und
  • was der Unterschied ist zwischen den angeblichen Wirtschaftsflüchtlingen vor denen alle so Angst haben und einem Dinslakener Sänger, der pressewirksam in die USA auswandert oder den “typisch deutschen Familien” denen man für ihre Auswanderung gar ganze TV-Shows schenkt.

Außerdem habe ich dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Wesel, Ludger Hovest, vorgeworfen absoluten Bullshit zu verbreiten. Denn aus dem Publikum heraus warf dieser ein, dass schließlich 95% aller Flüchtlinge die zu uns kommen, Wirtschaftsflüchtlinge wären. Der bemitleidenswerte Kandidat der SPD, Jürgen Preuß, konnte sich noch in ein “das höre ich heute zum ersten Mal” retten. Den anwesenden Jusos fiel allerdings der Kit aus der Brille.

Leider waren da die gut 2 Stunden schon rum und die Veranstaltung zu Ende. Insgesamt war es sehr spannend und unterhaltsam und ich finde das alle Kandidaten sich so verhalten haben, wie ich es erwartet hätte. Vielleicht abgesehen von der FDP-Entgleisung mit der Türe. Die PDL übrigens, vertreten von Gerd Baßfeld, war überraschend wenig angriffslustig. Er verwies nur mehrmals auf den Appell des Papstes.

Fazit: Jederzeit gerne wieder. Gernerer ohne Herrn Doktor.

Und sehr gefreut habe ich mich, als Anfänger in solchen Dingen, über das sehr positive Feedback. Auch meinen Ausraster am Ende hat man mir wohl nicht übel genommen. Im Gegenteil, meine direkten Ansagen wurden gelobt – das freut natürlich ganz besonders.

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