Gute Sache

Weiberwirtschaft

Als Mitgründerin und ehemalige Vorstandsfrau des Frauenzentrums Weiberwirtschaft e.V., sehe ich mich veranlasst, gegen die meines Erachtens unbegründeten Misstrauensbezeugungen aufzubegehren. Sachliche begründete Kritik (am reduzierten Finanzierungskonzept) ist selbstverständlich und unumgänglich, wenn es um Beschlussfassungen geht; nicht aber, wenn entwürdigende und dubiose Vorwürfe der Kungelei, Schwarzarbeit etc. erhoben werden. Gegen derartige Unterstellungen muss und sollte sich der Verein zur Wehr setzen. Die 1. Vorsitzende ist zwar keine Steuerberaterin, aber immerhin Juristin. Dem neuen Vorstand sollte eine Chance gegeben sein, sich nach dem Wechsel einzuarbeiten. In den zehn Jahren der qualitativ hochwertigen Sozialarbeit sind jeweils jährlich korrekte Haushalts- und Finanzpläne vorgelegt und geprüft worden, die zu keiner Beanstandung Anlass gaben und dem jeweiligen Vorstand die Bestätigung ordentlicher Arbeit einbrachte.

Seit der Gründung des Vereins war und ist die Beratung von in Not geratenen Frauen in einem „geschützten“ Raum das Herzstück und Hauptanliegen der Weiberwirtschaft. Der Cafébetrieb, die Kurse (u.a. Sprachkurse für Flüchtlingsfrauen), Kulturprogramm, Ausstellungen, Weiterbildungen, Integrations- und Alphabetisierungskurse in der Vergangenheit bilden den sinnvollen erweiterten Rahmen des Angebotes in einer solchen Einrichtung.

Von Anfang an gestaltete sich die Realisierung dieser Zielsetzung aus finanzieller Sicht schwierig. Dem wurde jedoch durch die hohe Bereitschaft an ehrenamtlicher Tätigkeit vieler hiesiger Frauen mit beispiellosem Einsatz etwas entgegengesetzt, was jedoch heute nicht als Vorwurf, sondern als Würdigung formuliert werden sollte.

Der Bestand einer Einrichtung wie der Weiberwirtschaft über diesen langen Zeitraum hinweg, hat jeden Tag aufs Neue nervenzehrendes Engagement aller Beteiligten für die gute und gerechte Sache von benachteiligten Frauen gefordert.

Um diese gesellschaftlich notwendige Arbeit leisten zu können, bedarf es trotz des hohen Maßes an ehrenamtlichen Leistung der monetären Unterstützung, die nicht allein durch Spenden und Sponsoring aufgebracht werden kann. Die Wertschätzung eines Vereins, der die Unterstützung von sozial-unterschiedlich benachteiligten Frauen (durch Probleme psychischer, physischer, finanzieller und familiärer Art) vorantreibt, sollte der Politik ein ernstzunehmendes und grundsätzliches Anliegen sein. Was hier bezuschusst werden soll, ist nicht der „Brötchenverkauf“ oder das „Stricken für Anfänger“, sondern die Beratungstätigkeit, die für die ratsuchenden Frauen kostenlos ist, aber von einer professionellen Kraft geleistet wird. Hier tut Aufklärung not.

Dass dringend ein Zuschuss benötigt wird, um diese bisher erfolgreiche Arbeit fortzusetzen, steht außer Frage. Nicht alle Frauen unserer Stadt haben das Glück, in geordneten und gewaltfreien Verhältnissen leben zu dürfen; es sollte daher für einen höchstmöglichen Anteil erreicht werden!

Ingrid Hassmann Tillmannsweg 1 46562 Voerde

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