Veranstaltung zum Grubenwasser

Vor einigen Wochen bekamen die Voerderinnen und Voerde durch den Kreistag, dass die RAG plant, von Lohberg aus jährlich Millionen Kubikmeter Grubenwasser in den Rhein zu leiten. Da man sich dabei des Möllener Entwässerungsgrabens bedienen wollte, über Voerder Stadtgebiet.

Das führt natürlich zu zahlreichen, teils auch sehr verunsicherten Nachfragen bei uns. Was ist Grubenwasser? Ist das gefährlich? Was ist mit PCB, von dem man überall liest und hört?

Um hier, nicht zu letzt auch für uns selbst, mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, luden die Grünen Voerde daher am 19.11.2015 in die Gaststätte „zur Kutsche“ in Voerde. 25 interessierte Menschen folgten dieser Einladung und fanden sich zu einem interessanten Abend.

Den Sprechern der Grünen, Britta Dickmann und Jörg Thomas, war es gelungen mit Professor Goerke-Mallet und Professor Dauber von der Technischen Fachhochschule Aachen zwei sehr komptetente Redner zu gewinnen, die durch die knapp 2 Stunden führten.

Professoer Peter Goerke-Mallet
Professoer Peter Goerke-Mallet

Im ersten Vortrag führte Professor Goerke-Mallet zunächst in das Thema Grundwasser ein. Er legte Wert darauf zu verdeutlichen, was der Unterschied zwischen „normalem“ Grundwasser und dem Grubenwasser ist. Dabei erklärte auch, dass die heute oft zitierte Situation „wenn die RAG nicht mehr pumpt, saufen wir ab“ nichts mit Grubenwasser zu tun hat, sondern lediglich mit dem Grund- oder Polderwasser.

Das Grubenwasser selbst, für das es noch keine abschließende wissenschaftliche Definition gibt, ist demnach der Teil des Grundwassers, der in die (stillgelegten) Schächte und Gruben eindringt.

Geht man derzeit davon aus, dass die durch die RAG, bzw. EVONIK zu tragenden Ewigkeitslasten im Jahr ca 220 Millionen Euro verschlingen, so taulen sich diese so auf:

  • ca 30% der Gelder werden benötigt, um 800 bis 900 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr zu managen und
  • ca 60% werden benötigt, um 70 Millionen Kubikmeter Grubenwasser zu verarbeiten.

Im weiteren führte er dann aus, dass von derzeit 13 Grubenwasserstandorten 7 geschlossen werden sollen. Von den verbliebenden 6 sind dann Walsum für die Einleitung der Grubenwässer linker Niederrhein und Lohberg für die Einleitung vom rechten Niederrhein in den Rhein zuständig. Dabei erklärte er, dass im Laufe des Jahres 2016 in Walsum das erste Wasser in den Rhein fließt und in Lohberg vermutlich erst im Jahre 2035.

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Professor Dauber

Profesort Dauber schließlich hielt einen zweiten Vortrag über das Thema PCB als Giftstoff im Wasser. Hier wurde insbesondere ausgeführt, dass nicht nur die RAG selber die Einhaltung der Grenzwerte prüft, sondern auch die Bezirksregierung Arnsberg und das LANUV.

Besonders detailliert widmete er sich schließlich den abweichenden Untersuchungsmethoden und den daraus resultierenden Ergebnissen. Er mahnte an, dass zu einer tatsächlichen Vergleichbarkeit auch ein gemeinsamer Messstandard gehört.

Jedoch würden die Messergebnisse signalisieren, dass die RAG mit den verwendeten Techniken die Grenzwerte grundsätzlich unterscheide. Das sei aber keine Garantie für die Ewigkeit, weswegen hier ein intensives Monitoring sowohl in den Wasserhaltungsstandorten, als auch im Rhein angebracht sei.

Weiterhin erklärte er nicht nur die Wirkung von PCB auf die Umwelt und Organismen. Er legte auch dar, dass es die Möglichkeit gibt die Grubenwässer durch Mikrofilter nahezu von PCB zu befreien und das die Kosten hierfür durchaus durch die Mittel der entsprechenden Stiftungen bereit gestellt werden könnten: Aus einrm Kapital von derzeit ca 16 Milliarden Euro würden ungefähr 300 Millonen Euro jährlich erwirtschaftet, von denen bisher nur die bereits genannten ca 220 Millionen ausgegeben würden.

In der anschließenden Fragerunde waren beide Referenten in der Lage, auch kritische Nachfragen gut zu beantworten – wobei man ihnen vor allem anrechnen muss, grundsätzlich eine Sprache gefunden zu haben, der alle Gäste folgen konnten.

Und auch, wenn am Ende insbesondere bei den anwesenden Grünen aus Schermbeck, Dinslaken und Voerde der Eindruck zurück blieb, dass die beiden Referenten vielleicht zu optimistisch in die Zukunft schauen und zu sehr auf die RAG/EVONIK vertrauen: Insgesamt war der Abend richtig und wichtig.

Es scheint jedoch angeraten, noch weitere Veranstaltungen durchzuführen – schon alleine weil mit all den beantworteten Fragen jetzt natürlich neue Fragen aufgetaucht sind. Und die wichtigste Frage werden wir in Zukunft politisch angehen: Wie kann man die Einführung von zuverlässigen und effektiven Filteranlagen fordern und durchsetzen?

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