Vertrauen in die Politik?

Immer wieder wird betont, dass den Menschen das Vertrauen in die Politik und das Handeln der Verwaltung fehlt. Und manchmal, da kann man das sogar richtig gut nachvollziehen. Zum Beispiel nach dem Lesen der Drucksache 338, die zur Beratung im Stadtrat Voerde am 25.11.2015 anstand.

In der Drucksache geht es um die mögliche Sanierung der Sportanlagen am Tannenbusch. Ja richtig, die Sportanlagen, die wir Grünen immer sanieren wollten und bei denen eine Sanierung vollkommen unmöglich ist. Genau diese Sportanlagen sollen jetzt saniert werden.

Wie das kommt?

Nun, zum einen ist wohl die Rechtsgrundlage geändert worden, die bisher eine Sanierung verhinderte. Zum anderen gibt es vom Bund einen Wettbewerb für Sanierungsmaßnahmen, bei dem Voerde 90% der Kosten erstattet bekäme.

Und wenn man dann die Drucksache liest, fällt man als normaler Bürger ja schon vor Erstaunen vom Baum. Denn wir erinnern uns: neben der Unmöglichkeit der Sanierung war es auch unbedingt notwendig, die Grundstücke möglichst bald als Bauflächen zu veräußern. Die Investoren stünden Schlange. Und außerdem käme nur der Babcockwald als Standort für die Neuanlage in Frage. Allerdings ja nicht für die Tennisanlage. Die sollte bleiben wo sie ist.

Heute?

Heute liest sich das dann so:

  • „Dem Förderprogramm entsprechend ist ein Sanierungsplan eingereicht worden, die zum einen den Sportstandort Tannenbusch langfristig sichert, darüber hinaus aber auch seine Funktion als Ortsteil-Treffpunkt ausbaut.“
  • „Für den Verein ist der Sportbetrieb auf zwei Standorten eine große Belastung. Vor diesem Hintergrund – Sanierungsbedarf, drei genutzte Spielfelder, zwei Standorte – hat die Stadt 2008 entschieden, einen neuen zentralen Standort zu suchen. Der Plan konnte jedoch nicht realisiert werden, weil auf der lange ungenutzten Industriefläche mittlerweile Wald entstanden war.“
  • „Neben der Abdeckung des Bedarfs für Vereinssport für den ganzen Ortsteil ist der Standort Tannenbusch durch seine parkartige Gestaltung ein bedeutender Schwerpunkt für die Naherholung und für die quartiersbezogene Kommunikation in dem einwohnermäßig größten östlichen Teil des Ortsteils. Der Verzicht auf die Verlagerung ermöglicht die Beibehaltung und den Ausbau dieses zentralen und über Jahrzehnte gewachsenen öffentlichen Raums.“

Klar.

Man kann jetzt sagen, dass das dem Antragsverfahren geschuldet ist. Man kann sich aber auch einfach auf den Arm genommen fühlen. Denn schließlich war in der bisherigen Planung insbesondere die hohe Bedeutung des parkähnlichen Naherholungsgebiets wohl eher kein Parameter in der Entscheidungsfindung. Und all die Menschen die wie im Kampf gegen die Windmühlen jetzt lesen müssen, dass die Verlagerung in den Babcockwald ja nicht möglich sei, weil dort Wald gewachsen sei, die dürften sich vollends vor den Kopf geschlagen fühlen.

Sicherlich, all das ist erklärbar, wenn man sich lange genug mit Antragsverfahren, Behördendeutsch und teilweise hoch komplexen Sachverhalten beschäftigt. Und am Ende mag man vielleicht zu dem Ergebnis kommen, das alles seine Richtigkeit hat.

Aber genauso gut kann man sich denken: Wie die Fahne im Wind. Gestern noch mussten dort Häuser gebaut werden, wo heute der bedeutende Schwerpunkt der Naherholung ist. Gestern noch musste es der Babcockwald sein, den man heute ja wegen des Waldes (!) nicht nutzen kann und dann sollen mehrere Standorte auf gar nicht weniger Standorte reduziert werden, weil  mehrere Standorte ungünstig sind.

Wenn das der Stil der Politik ist, ist es kein Wunder, dass die Menschen einfach nur noch genervt sind.

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