Tagebuch eines Bundestagskandidaten: 26.11.2016

Ich dachte mir, wenn ich schon für den Bundestag kandidiere, kann ich ja auch ein Tagebuch darüber führen. Dabei möchte ich loser Folge von den Orten, Menschen und Ereignissen berichtem die mir bis zur Bundestagswahl begegnen.

Anfangen möchte ich mit der Einladung zum Winterfest des Friedensdorf International e.V in Oberhausen.

Über Facebook bin ich mit Tobias Marner in Kontakt gekommen. Tobias und mich verbindet die Liebe zum Radfahren und über eine extreme Tour von Essen nach Peking kam er 2008 mit dem Friedensdorf in Begegnung. Und nach ein paar Chats lud er mich „zu sich“ ein. Also bin ich mit Julia zusammen nach Oberhausen.

img_9291Das Friedensdorf war für mich eher ein Abstrakter Begriff. Mein Wissen beschränkte sich im Wesentlichen auf das, was man aus der Wikipedia erfahren konnte. Von daher war es besonders schön, mit einem langjährigen Mitarbeiter mal durch die Gebäude (grötenteils gespendet von den Lions) zu können und zu erfahren, wo aktuell die Herausforderungen liegen.

Ziemlich schnell wird dabei klar, dass das Friedensdorf nicht über fehlende Einsatzmöglichkeiten klagen kann. Die Konflikte haben sich (geografisch) seit der Gründung 1967 verschoben – wirklich weniger wurden sie aber nicht. Angesichts dessen sind aber neue Herausforderungen dazu gekommen, die es zu meistern gilt: Lange haben z. B. Krankenhäuser kostenlos 1-2 Betten (muss man sich vorstellen: Ein GANZES Krankenhaus stellt NUR 1-2 Betten) zur Verfügung gestellt. Aber unter dem anhaltenden wirtschaftlichen Druck und der irren Annahme, Krankenhäuser müssten Gewinne erwirtschaften, werden selbst diese nicht mehr bereit gestellt.

Und so kann man eigentlich die Geschichte zusammenfassen mit: Auf jeden Erfolg folgt ein Rückschlag.

img_9292Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ist es aber schön zu sehen, dass mehrere hundert Freiwillige und junge Menschen aus der ganzen Welt die Arbeit des Friedensdorfes unterstützen. Und es ist auch wunderschön zu sehen, wie viele Kinder (in der Regel um die 200) zusammenleben – ohne die Konflikte mitzubringen, die ihren Eltern das Leben schwer machen. Alter, Religion, Hautfarbe, Geschlecht, all das scheint im Friedensdorf nur am Rande eine Rolle zu spielen.

Zwei mal im Jahr wird dann ein großes Fest veranstaltet. Ein Mal im Sommer und – wie jetzt – im Winter. Die Einnahmen unterstützen natürlich die Arbeit des Friedensdorf International und wir haben uns gefreut zu sehen, wie viele Menschen über den Tag den Weg nach Oberhausen gefunden haben und, so unser Eindruck, auch gerne ihr Geld dort gelassen haben.

Wenn ich mir jetzt, kurz vor Weihnachten, mal die Welt ansehe, dann denke ich mir, dass die Arbeit in den nächsten Jahren auch nicht weniger wird. Sondern mehr. Und vielleicht kann ja eine gelebte tolerante Kleinwelt, wie die des Friedensdorfes auch auf uns ausstrahlen: Wenn dort mehr als 200 Kinder friedlich zusammen leben und sich nicht um Religion und Aussehen scheren: Sollten wir das nicht auch schaffen?

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