Die Frage nach der Sicherheit – Version 2015/2016 Teil II

Wir hatten hier im Blog bereits die Kriminalitätsstatistik unserer schönen Stadt ausgewertet. Das Fazit war ja eigentlich ein ganz gutes.

Allerdings gehört zur Sicherheit nicht nur die Frage nach der Kriminalität, sondern auch nach den Einsätzen und dem Verkehr. Das liegt daran, dass die Polizei in NRW in genau die drei Säulen Kriminalität, Gefahrenabwehr und Einsatz, so wie Verkehr organisiert ist.

Hierzu hatten wir Grüne einen Antrag gestellt, der heute durch einen mündlichen Vortrag der Polizei beantwortet wurde. Im Vorfeld wurde abgesprochen, dass die Zahlen auch öffentlich diskutiert werden dürfen, weswegen wir sie hier einfach mal darlegen.

Da jetzt relativ viele Zahlen folgen, nehmen wir das Fazit mal vorweg:

Wie schon im Bereich Kriminalität unterstützen die Einsatzzahlen unsere Annahme, dass Voerde eine ausgesprochen sichere Stadt ist. Nicht nur ist die Anzahl der Einsätze vergleichsweise gering, die Polizei ist auch schnell vor Ort.

Sorgen machen sollte uns dagegen das Ansteigen von Verkehrsunfällen, insbesondere auch unter Beteiligung von Kindern, Senioren und Fahrrädern. Hier kann die Stadt gegensteuern, wenn sie denn möchte: Es gilt ganz einfach, dass langsamer Verkehr sicherer Verkehr ist.

 


Und jetzt zu den Zahlen, Daten und Fakten:

Einsätze

Die Polizei führt  eine sehr genaue Statistik über alle Einsätze, die sie zu erledigen hat – unabhängig davon, was das letztlich Inhalt ist. Schaut man sich die reine Anzahl der Einsätze an, dann sieht man folgendes:

Anzahl Einsätze gesamt:
2015: 7.723
2016: 15.329

Das ist auf den ersten Blick erschreckend, aber leicht zu erklären:

Die Einsätze in Voerde haben ungefähr Mitte 2015 stark zugenommen und nehmen seit September 2016 wieder leicht ab. Die Zunahme ist in erster Linie durch die höhere Anzahl an Zuwanderern begründet, die nach Voerde gekommen sind. ABER: Es handelt sich nicht um Einsätze die durch Zuwanderer verursacht wurden, denn…

im Rahmen der Betreuung der Zuwanderer fährt die Polizei sogenannte „Aufklärungseinsätze“. Das bedeutet, das in jeder Schicht (3 Schicht-Betrieb) mindestens ein Mal jede Unterkunft abgefahren wird. Man kann sich ausrechnen, dass da zienlich schnell viel an Einsätzen zusammen kommt. Und wie gesagt: Das sind nur Einsätze, bei denen mal nach dem Rechten geschaut wird.

Anzahl „Einsätze Aufklärung“:
2015: 2.405
2016: 10.576

Dann gibt es noch die sogenannten „Außenveranlassten Einsätze“. Also wenn sich eine Bürgerin oder ein Bürger an die Polizei (bevorzugt über die 110) wendet. Das was man klassich unter einem „Polizeieinsatz“ versteht. Auch die werden gezählt und hier ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen:

Anzahl „Außenveranlasst“:
2015: 3.592
2016: 3.572

Daneben gibt es in den Einsätzen noch sogenannte Präsenzeinsätze. Also die, in denen die Polizei durch bloße Anwesenheit eine Wirkung erzielen möchte. Wenn man sich hier mal auf Verkehrs, Kriminalität und Schulwegsicherung konzentriert, waren das:

Anzahl „Präsenz“:
2015: 467
2016: 313

Der Rückgang ist ganz einfach der Tatsache geschuldet, dass deutlich mehr andere Einsätze zu bewältigen waren. Wo aber nicht gespart wurde, ist bei den Schulwegsicherungen. Nach wie vor ist die Polizei jeden Tag im Raum mindestens einer Schule präsent vor Ort.

Wenn man jetzt die Polizei ruft, ist es wichtig, dass die schnell vor Ort ist. Allerdings gibt es ja sehr unterschiedliche Anlässe die Polizei zu rufen und natürlich können nicht alle mit der gleichen Priorität behandelt werden. Die Einsatzreaktionszeit ist dabei die Zeit zwischen dem Erstellen eines Einsatzes in der Leitstelle und der Ankunft des ersten Polizeifahrzeugs vor Ort:

Einsatzreaktionszeit:
2015: 11 Minuten 29 Sekunden
2016: 11 Minuten 39 Sekunden

Noch mal: Das ist über ALLE Einsätze hinweg. Es gib daher welche mit sehr viel kürzerer Zeit und solche mit längerer. Aber was hier interessant ist, ist vielleicht der Vergleich mit anderen Kommunen. Wenn man hier nach Vergleichen schaut, bieten sich an:

  • Rheinberg (ungefähr gleiche Anzahl Einsätze), in  2016 mit  13 Minuten 24 bei 3501 Einsätzen
  • Neukirchen-Vlyn (eine Wache wie in Voerde), in  2016 mit 12 Minuten 52 bei 3316 Einsätzen
  • Kamp-Lintfort (ungefähr gleiche Anzahl Einwohner), in  2016 mit  11 Minuten 35 bei 5419 Einsätzen
  • NRW-weit ist der Schnitt für 2016: 14 Minuten 55 Sekunden.

Dabei ist lediglich Kamp Lintfort in 2016 mit einer um 4 Sekunden kürzeren Einsatzreaktionszeit versehen gewesen. Dafür allerdings bei vergleichbarer Einwohnerzahl mit deutlich mehr Einsätzen! Alle anderen Gemeinden haben teils deutlich höhere Zeiten.

Daraus folgt, dass die Polizei in Voerde überdurchschnittlich schnell am Einsatzort ist.

Kommen wir zum Verkehr:

Die Polizei kennt 7 Kategorien für Unfälle

  • Kategorie 1: Getötete Person
  • Kategorie 2: Schwerverletzte Person
  • Kategorie 3: Leichtverletzte Person
  • Kategorie 4: Schwerer Sachschaden ohne verletzte Person
  • Kategorie 5-7: Sachschäden

 

  • 2015: 723 Unfälle insgesamt
  • 2016: 704 Unfälle

davon:

  • 2015: 73 Unfälle Kategorie 1-4
  • 2016: 95 Unfälle

Der Anstieg der schwereren Unfälle bei einem Rückgang der Gesamtsumme ist natürlich auffällig, aber ohne weitere Vergleichswerte erst mal zu vernachlässigen. Auffallend viele Unfälle gab es in den Monaten Juli und November, durch die insgesamt sehr kleine Zahl ist es aber natürlich unmöglich, hier seriös etwas abzuleiten.

Insgesamt wurden in 2016 auf den Straßen von Voerde 26 Menschen im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt. Weiterhin gab es 32 Unfälle an den Radfahrer beteiligt waren.

Schaut man sich die Verteilung der Unfälle an, gibt oder gab es zwei Schwerpunkte in Voerde:

  1. Die Kreuzung Hans-Richter-Straße und Albert-Einstein-Straße ist besonders auffällig durch Abbiege- und Auffahrunfälle
  2. Die Kreuzung Hammweg und Friedrichsfelder Straße fällt leider besonders durch Unfälle mit Radfahrern auf. Hauptursache ist hier das Mißachten des Stop-Schildes

An beiden Stellen wurden bereits Maßnahmen getroffen um die Anzahl der Unfälle zu reduzieren.

Daneben gibt es noch ein paar Arten von Unfällen, wo man mal genauer hinschauen kann:

Verletzte Personen insgesamt:
2015: 67 Unfälle mit 84 Verletzten
2016: 89 Unfälle mit 120 Verletzten

Verletzte Kinder bei Verkehrsunfällen:
2015: 4 Unfälle mit 4 verletzten Kindern
2016: 3 Unfälle mit 10 verletzten Kindern

Verkehrsunfälle mit Senioren:
2015: 35 Unfälle mit 12 Verletzten
2016: 46 Unfälle mit 22 Verletzten

Und die „Jungen Fahrer„:
2015: 28 Unfälle mit 14 Verletzten
2016: 32 Unfälle mit 20 Verletzten

Letztlich noch die Unfälle mit Fahrradfahrern:

2015: 30 Unfälle mit 25 Verletzten
2016: 32 Unfälle mit 33 Verletzten

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