Das haben wir noch nie so gemacht, damit fangen wir jetzt nicht an!

Vor gut einem Monat haben wir einen Antrag durch den Rat bekommen, in dem wir unter anderem zwei Dinge gefordert haben:

  1. Wir wollten erreichen, dass der neue Kreisverkehr Dinslakener Straße für Radfahrer und Fußgänger sicherer gemacht wird, in dem die Geschwindigkeit der ausfahrenden Fahrzeuge durch einen zu überwindenden Höhenunterschied herabgesetzt wird.
  2. Wir wollten Nachts auf der Dinslakener Straße Tempo 30.

 

Bedauerlicher Weise hat der Kreis als zuständige Instanz mit Schreiben vom 07.04. (heute bei uns eingegangen) beide Vorschläge abgewiesen.

Zum Tempo 30 schreibt man:

Eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h innerorts kann angeordnet werden, wenn ein sensibler Bereich, wie Schule, Kindergarten, Seniorenheim usw. betroffen ist oder Probleme hinsichtlich des Verkehrslärms bekannt sind. Dies ist auf der K17 Dinslakener Straße nicht der Fall.  Im Zuge der Baumaßnahmen wird zudem die Fahrbahn der K17 Dinslakener Straße auf 6,50 m verschmälert und an mehreren Stellen sind Fahrbahnteiler und Querungshilfen vorgesehen. Das Geschwindigkeitsniveau wird sich daher gegenüber dem heutigen Stand reduzieren. Für eine Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h wird daher keine Erfordernis gesehen.

Das ist eine bemerkenswerte Antwort, denn vor dem Ausbau und nach dem Ausbau ist Tempo 50 erlaubt. Wenn sich das Geschwindigkeitsniveau reduzieren wird, ist es dann heute über 50 und zukünftig unter 50? Und wenn ja, was folgt daraus? 😉

Zum Kreisverkehr schreibt der Kreis:

Durch die Schaffung von niveaugleichen Straßenübergängen in den Ein- und Ausfahrten des Kreisverkehrs wird die Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs herabgesetzt. Bei dem geplanten Kreisverkehr handelt es sich um einen kleinen Kreisverkehr mit einem Außendurchmesser von 28,00m. Damit ist der Außendurchmesser für einen kleinen Kreisverkehr gemäß dem „Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren“ schon an der unteren Grenze der Außendurchmesser für kleine Kreisverkehre (Richtwert 26,00m bis 40,00m). Ein größerer Außendurchmesser kann aufgrund der Örtlichkeit nicht geplant und umgesetzt werden.

Grundsätzlich gilt, je kleiner der Kreisverkehr, desto langsamer kann im Kreisverkehr gefahren werden und desto geringer ist ist daher auch die Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs. Bei der Schaffung von Niveauerhöhungen in den Ein- und Ausfahrten des Kreisverkehrs kann davon ausgegangen werden, dass sich das Geschwindigkeitsniveau durch die abbremsenden Fahrzeuge weiter reduziert. Dies wäre nicht nur der Fall, wenn Radfahrende und zu Fuß Gehende die Fahrbahn kreuzen, sondern grundsätzlich da Kfz stets vor dem Überfahren der Niveauerhöhung abbremsen müssen. Dies führt zu längeren Verweilzeiten im Kreisverkehr und auch zu längeren Wartezeiten und Warteschlangen an den Zufahrten zum Kreisverkehr.

(…)

Eine Niveauanhebung in Kreisverkehren ist zudem hierzulande nicht üblich. [Hervorhebung von uns] Autofahrende rechnen nicht mit starken Bremsvorgängen vor oder im Kreisverkehr, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer zu sehen sind. Hierdurch sind Irritation oder sogar Auffahrunfälle möglich. (…)

Das ist eine bemerkenswerte Antwort. Man kann es also Autofahrern nicht zumuten, darauf zu achten ob das vorfahrende Fahrzeug bremst – eine „Notbremsung“ oder Vollbremsung ist wohl kaum notwendig. Und man postuliert schon mal Warteschlangen vor dem Kreisverkehr, der scheinbar eh schon nur ganz knapp die Unmengen an Verkehr verarbeiten kann.

In der Folgezeit käme es für Fahrzeugführer zu unzumutbaren Verzögerungen im Verkehrsfluss und so gern  an auch „zu Fuß Gehende“ und „Radfahrende“ hat, so weit geht das dann doch nicht, dass man deren Gewinn an Sicherheit über die schnelle Fahrt stellt.

Der Klopper ist aber das „das haben wir noch nie gemacht, das machen wir jetzt auch nicht“-Argument. Das ist so wie die Diskussion, dass Deutschland keinen Klimaschutz betreiben müsse, weil China da im Hintertreffen ist:

Irgendwer muss mal anfangen und völlig ohne Not nimmt der Kreis der Stadt hier die Möglichkeit, an einer zentralen Stelle im Verkehrsnetz von Voerde die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer (und -innen) zu erhöhen. Für die heilige Kuh des möglichst ungebremsten PKW-Verkehrs.

Das man jetzt argumentieren könnte, dass in einem ach so kleinen Kreisverkehr die Autos eh recht langsam fahren müssen spare ich mir. Auch das ein Risiko von Auffahrunfällen nur bei einer der Hauptunfallursachen – zu geringer Abstand – besteht ist vermutlich nur eine Randnotiz.

Wichtig ist aber: Der Kreis möchte um jeden Preis den Kraftverkehr priorisieren. Andere Verkehrsteilnehmer stören da nur.

Das ist sehr, sehr bedauerlich.

 

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