Ok, die Chinesen impfen. Die Russen. Die Briten. Und wir???

Aktuell gibt es ja jeden Tag frische News zu Corona. Und nachdem man der Presse entnehmen konnte, dass die Chinesen, Russen und seit heute auch die Briten impfen, kann man ja mal fragen, wie es bei uns laufen wird.

Nach dem aktuellen Stand (der sich jeden Tag ändern kann!), ist das wahrscheinlichste Szenario folgendes:

Die Freigabe des ersten Impfstoffes wird in Deutschland vermutlich(!) zwischen dem 22.12. und 29.12. erfolgen. Bis dahin haben alle Landkreise und kreisfreien Städte ein Impfzentrum aufgebaut – bei uns die Niederrheinhalle in Wesel.

Allerdings wird an dem Tag nicht die erste Schlange dort vor der Türe stehen. Denn:

Rechnet man das aktuell avisierte Impfkontingent für Deutschland auf die Bundesländer und dann die Kreise/Städte herunter und berücksichtigt man, dass 2 Impfungen pro Person notwendig sein werden (Abstand 21-28 Tage), so kann man ausrechnen, dass im Kreis Wesel in der ersten Runde zwischen 35.000 und 40.000 Personen geimpft werden können.

Hier muss noch festgelegt werden, welche Gruppen wann wie geimpft werden. Geht man davon aus, dass zunächst die am meisten gefährdeten Menschen geimpft werden, ist anzunehmen, dass die Impfungen verstärkt durch die sogenannten „Mobilen Impfteams“ durchgeführt werden könnten, die dann von von der Niederrheinhalle aus in die Einrichtungen fahren.

Das ganze ist ein ungeheuer aufwändiger logistischer Prozess: Die Kühlketten dürfen nicht unterbrochen werden, es müssen jederzeit genügend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verfügbar sein und letztlich muss exakt Buch geführt werden, wer wann wo und wie die erste und folgend die zweite Spritze bekommt.

Hier werden viele Menschen aus dem medizinischen Bereich über die kassenärztlichen Vereinigungen zusammen mit den Frauen und Männern der Hilfsdienste wie DRK und Malteser zusammen arbeiten, um sicher zu stellen, dass das alles funktioniert.

Tatsächlich handelt es sich dabei übrigens um eine Bundesaufgabe, die die Kreise und Städte nur als „Stellvertreter“ durchführen. Sie sind also Weisungsempfänger, wie z. B. zum Aufbau der Impfzentren. Kein Landrat, kein Oberbürgermeister wird entscheiden, wer wann in seinem Kreis oder seiner Stadt geimpft wird.

Die scheinbar geringe Zahl der Personen, die im ersten Anlauf geimpft werden können, geht man von ungefähr 465.000 Menschen, die im  Kreis leben, aus, darf nicht erschrecken. Denn wir können ja mit einiger Sicherheit annehmen, dass die vielen inzwischen genesenen Menschen eine zumindest vorübergehende Immunität haben. Das bedeutet, dass die Anzahl der „sicheren“ Menschen deutlich höher ist.

Zudem ist ja dann zeitnah auch mit der Freigabe weitere Impfstoffe zu rechnen. Das geht dann letztlich so weit, dass es auch Stoffe geben wird, die über die Apotheken und niedergelassenen Ärzte verabreicht werden.

Dennoch: Ein Land mit mehr als 80.000.000 Menschen komplett durchzuimpfen (bzw. die, die nicht verzichten wollen), wird eine Weile dauern. Und es wird auch noch ein paar Tage dauern, bis aus den ganzen „soll, kann, müsste, ist geplant, es scheint so“ in diesem Beitrag ein: So ist es! werden wird. Aber wir halten Euch auf dem Laufenden.

Wichtig ist, angesichts dessen, dass Ihr Euch bitte genau überlegt, ob Ihr Weihnachten und den Jahreswechsel wirklich mit mehreren Menschen verbringen wollt. Die dahinter liegende Logik ist:

Angenommen, viele Menschen treffen sich mit anderen Menschen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir im Januar / Februar einen weiteren starken Anstieg der Infektionen sehen.

Das bindet dann logischer Weise auch mehr medizinisches Personal.

Das kann nicht für / in den Impfzentren arbeiten kann, wenn ab dem Jahreswechsel da die Post abgeht.

Unser Verhalten in den nächsten Wochen bestimmt also im Wesentlichen mit darüber, ob die Pläne die derzeit entwickelt werden, auch funktionieren werden. Und wir alle werden daran gemessen.

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Die meisten Infos sind aus dem Ausschuss für Gesundheit, Bevölkerungs- und Verbraucherschutz vom 07.12.2020 und aus den Vorträgen der dort anwesenden Mitarbeiter des Kreises.

Das Titelbild ist von Adobe Spark

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