Nachruf auf Gerhard Finke

Der Schöpfer der *Fetten Henne* lebt nicht mehr …

Ein hellwacher Geist mit einem stets spitzbübischen Lächeln auf dem Gesicht, Maler und Kunsterzieher u.a. am Gymnasium Voerde, Gerhard Finke, starb am Silvestertag 2020 in der Nähe von Berlin im biblischen Alter von 103 Jahren.

Er selbst sei kein großer Maler, aber ein guter, soll er mal geäußert haben. „Ich gebe den Menschen nur, was sie möchten. Ein wenig Romantik, ein wenig Psychologie. Die Menschen finden sich in meinen Bildern wieder.“

Sensibilität, Ehrlichkeit und Bescheidenheit zeichnen den Künstler aus, der 1917 in der Mark Brandenburg geboren wurde und seine Jugend in Berlin verbrachte.

Seine künstlerische, technische und wissenschaftliche Ausbildung absolvierte er u.a. an der Düsseldorfer Kunstakademie als Schüler des Ewald Mataré und als Kommilitone von Joseph Beuys. Finke, der ursprünglich Architekt werden wollte, lässt in seinen Werken eine gewisse Disziplin als „bildnerische Verantwortung“ spüren; Ordnung und Form herrschen vor, haben eine klare Kontur und folgen einem bildnerischen Kompositionsprinzip. 

Mit der Benennung seiner vielfältigen Arbeitsweisen und Ausdrucks-möglichkeiten wären Seiten zu füllen.  inke war ein Künstler der Vielseitigkeit und der Grenzen. Sein Freiheitswille, die tägliche Gabe, Intensität und Wollen auf sein Schaffen und dessen Impulse zu lenken, blieb unerschütterlich.

In seinem Gesamtwerk finden sich immer zwei Wege, die er parallel beschreitet: der eine Weg in der analytischen Auseinandersetzung mit Fragen an Form und Geometrie, der andere führt ihn zu der Grundfrage des rein schöpferischen Prozesses des Entstehens eines Bildwerkes. Mit Erfindungsreichtum und sinnlicher Lust an diesem Prozess realisierte er gestaltete Bewusstheit und Teilhabe am Geist, ohne sich selbst dabei untreu zu werden. Begriffe wie Kraft und Originalität prägen seine Arbeiten.

Mit Beginn der 80-er Jahre findet er zur plastischen Kunst, obwohl er sich als Maler, Grafiker und Zeichner, nicht als Bildhauer gesehen hat. Den öffentlichen Raum betritt Finke erst 1988 mit dem „Voerder Vogel“, als Wiederentdeckung eines Wahrzeichens von Voerde, welches unbelastet von positiven oder negativen Sinngehalten ist. Mit dem „Voerder Vogel“ – auch „Fette Henne“ genannt – werden Bürger und Institutionen in Voerde durch den Heimatverein  ausgezeichnet, die sich um die Region und das Gemeinwesen unserer Stadt verdient gemacht haben.

Das Motiv des Vogels geht zurück auf den ersten Lehnsträger des Wasserschlosses Haus Voerde, der in seinem Wappen drei Vögel als Wappentiere ausgewählt hat. Neben der historischen Bedeutung, steht der Vogel heute symbolisch für den Witz und die Bodenständigkeit der Voerder Bürger und Bürgerinnen.

Der kreativen Unbefangenheit, der bildnerischen Verantwortung und dem wachen Geist Gerhard Finkes wollen wir still gedenken und seine Verdienste wertschätzen.

 

Text & Bild
Ingrid Hassmann

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