Die Frage nach der Sicherheit – Version 2019 / 2020

In guter Tradition schauen wir uns auch dieses Jahr die Kriminalität in Voerde, mit einem Seitenblick auf Dinslaken zum Vergleich. Zur Erinnerung: Dinslaken hat ungefähr doppelt so viele Einwohner*innen. Wenn wir es uns also einfach machen wollen, sollten die Zahlen in Dinslaken doppelt so hoch sein. Oder höher. Aber nicht niedriger, wenn wir besser dastehen wollen 😉

Wenn ich mir die rechte Rheinseite anschaue, haben wir 6 Gemeinden. Wenn man die „Häufigkeitszahl“ anschaut, also die Anzahl der angezeigten Straftaten je 100.000 Einwohner*innen, sind wir auf Platz 4. Nur Hamminkeln und Schermbeck haben noch weniger Vorfälle.

In Dinslaken gab es 2020 3.790 Fälle von bekannt gewordener Kriminalität. Das sind gut 370 mehr als im Vorjahr oder fast 10%. In Voerde dagegen ist die Zahl von 1.445 auf 1.475 Fälle gestiegen, also 30 oder knapp 2% mehr. In beiden Städten liegt der Wert noch unter den Höchstwerten der letzten Jahre.

In der Zusammenfassung der jetzt folgenden Zahlen muss man feststellen, dass 2020 kein gutes Jahr für Voerde war. Wir haben an einigen Stellen Zuwachsraten zu verzeichnen, die wir da nicht haben wollen. Auch im Vergleich mit Dinslaken sieht das nicht immer schön aus.

Aber, ganz wichtig: Wir müssen die Zahlen auch immer in Relation zu den Einwohner*innen (ca. 36.000) und der 366 Tage eines Jahres sehen. Manche Zahlen sehen bei uns schlechter aus, als im Vorjahr, sind im Gesamtjahr aber niedriger als in einer benachbarten Großstadt an einem einzigen Tag 😉

Und trotzdem: Wir müssen ein Auge darauf haben, ob es sich um Ausreißer oder Trendwenden handelt. Gleichzeitig müssen wir noch berücksichtigen: Mehr Fälle, die der Polizei bekannt geworden sind, bedeuten nicht zwingend mehr „echte“ Straftaten. Weil das was ich hier Liste das ist, was der Polizei bekannt wurde. Nicht, was letztlich vor Gericht gelandet ist. Und hier spielt natürlich auch das „Anzeigeverhalten“ eine Rolle: Mehr Kriminalität kann auch dadurch „entstehen“, dass die Menschen eher bereit sind, die Polizei zu informieren.

So, jetzt aber zu den Zahlen:

Im Bereich der Gewaltkriminalität sind wir von 33 Fällen in 2019 (niedrigster Stand seit 5 Jahren) auf 58 Fälle hoch geschossen. Das ist fast eine Verdopplung und fast wieder der Stand von 2016 (62). Allerdings konnten 81% der Fälle aufgeklärt werden. Dinslaken hat mit 123 Fällen mehr als Doppelt so viele Vorkommnisse. Hier müssen wir sehr genau hinschauen, ob es sich um einen Ausreißer in unserer Statistik handelt.

Beim Raub sind wir von 8 auf 12 Fälle gestiegen, so viel wie seit Jahren nicht. Als absolute Zahl natürlich wenig, relativ gesehen aber 50% mehr als im Vorjahr. Auch hier gilt aber wieder: Dinslaken hat mehr als Doppelt so viel (26).

Gestiegen ist auch die gefährliche und schwere Körperverletzung. Mit 38 Fällen sind wir leider wieder fast auf dem Niveau von 2017 (41) und weit weg vom langjährigen Tiefstwert in 2019 (25). Auch hier ist Dinslaken allerdings wieder deutlich vor uns und hat 93 Fälle für 2020.

Deutlich angestiegen ist in beiden Städten die Anzahl der Sexualdelikte. In Voerde von 16 auf 28 und in Dinslaken von 37 auf 54. Davon konnten in Voerde Dreiviertel aufgeklärt werden. Man muss aber insbesondere hier berücksichtigen, dass wir in der letzten Zeit eine etwas veränderte Zählweise (neue Delikte) und ein deutlich besseres Anzeigeverhalten erleben. Das macht die Zahlen nud schwer vergleichbar. Leider liegen mir die Zahlen „alte Zählweise“ nicht vor, so dass wir erst in 2-3 Jahren hier Trends ausmachen können.

Die Anzahl von Diebstählen ist in Voerde mit 587 auf dem höchsten Stand seit 3 Jahren, allerdings immer noch deutlich unter 2016/2017. Dinslaken hat 1.696 Fälle – also deutlich mehr als doppelt so viele. Die Aufklärungsquote ist in Voerde etwas besser (21%) als in Dinslaken (18,1%) und im Gegensatz zu unserer Nachbarstadt besswer als im Vorjahr.

PKW wurden bei uns 3 gestohlen (10 in Dinslaken). Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen ist mit 47 Fällen auf dem tiefsten Wert seit 2016. Hier hat Dinslaken mit 154 Fällen fast 3 mal so viel.

Persönlich besorgniserregend finde ich einen starken Anstieg von Fahrraddiebstählen. In Voerde von 91 im 2019 auf 130 Fälle, in Dinslaken von 274 auf 374. Das mag eine Ursache in der Corona-Krise haben, in der viele Menschen sich neue (hochwertige) Bikes angeschafft haben. Es weist aber vor allem darauf hin, dass wir dringend sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder brauchen.

Wohnungseinbrüche gab es in Voerde 37, im Vergleich dazu 109 in Dinslaken. Der Wert ist bei uns höher als im Vorjahr, allerdings im langjährigen Vergleich noch „im Trend“.

Bei den Rauschgift-Delikten hatten wir 2019 einen Ausreißer. Waren es 2018 65 Fälle, so hatten wir 2019 auf ein Mal 166. Das wollten wir im Auge behalten und diese da, in 2020 sind es wieder „nur“ 54 Fälle. Damit ist 2019 ein Ausreißer gewesen, die Zahlen fallen im langjährigen Vergleich. Allerdings nicht in Dinslaken, dass mit 157 Fällen praktisch auf Vorjahresniveau (159) ist.

Was die Kriminalität insgesamt angeht, gilt für den Kreis Wesel, dass jetzt seit über 5 Jahren mehr als jede 2. Straftat, die angezeigt wird, auch aufgeklärt wurde. Das ist sehr gut. Die 10 jährige Entwicklung der Kriminalität zeigt immer noch einen negativen Trend: Wir haben im langfristigen Vergleich also weniger Kriminalität jedes Jahr als im Vorjah (trotz eines Ausreißer-Jahres 2020).

Die häusliche Gewalt ist ebenfalls auf dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren – hier scheint ein gutes dreiviertel Jahr Corona auch keinen negativen Einfluss gehabt zu haben.

Während im Bereich der Gewaltkriminalität die höchste Aufklärungsquote in fast zwei Jahrzehnten erreicht ist, ist im gesamten Kreis die Anzahl der Betrugsdelikte allerdings deutlich gestiegen.

Insgesamt hat es im Kreis in 2020 23.955 Fälle von Straftaten gegeben, die der Polizei bekannt wurden. 2011 waren es noch 34.719, seit dem haben wir einen langfristigen Trend nach unten. Umgekehrt verhält es sich mit der Aufklärungsquote. Das bedeutet, dass bei weniger Straftaten absolut ein höherer Prozentsatz aufgeklärt wird. Das ist sehr positiv.

 

 

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