Sind die Grünen nicht immer für Wald???

In der heutigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses und nächste Woche im Rat wird etwas passieren, das sehr, sehr selten passiert. Die Grünen Voerde werden gegen mehr Wald stimmen. Was sich absurd anhört, hat folgenden Hintergrund:

Im Stadtentwicklungsausschuss wurde die Drucksache 17/195 (PDF) diskutiert. Hierbei geht es um Waldersatzmaßnahmen für Baumaßnahmen in Voerde (PDF).  Im Rahmen des Vortrags der Verwaltung erfuhr der Ausschuss, dass über die nächsten Jahre die gesamte Fläche als Waldersatz gebraucht werden wird, immer mal wieder hier und da ein Stück. Und das eine Möglichkeit wäre, schon jetzt die gesamte Fläche umzuwandeln und zu Wald zu machen.

Ein Mitglied des Ausschusses wies darauf hin, dass die Fläche derzeit von der Stadt an einen Landwirt verpachtet ist und es nicht sein kann, dass die Landwirte immer die Leidtragenden solcher Maßnahmen sind.

Nach kurzer Diskussion haben dann erst wir Grünen und dann eine zweite Fraktion „Beratungsbedarf“ angemeldet. Wir haben die Drucksache so entschieden, dass wir grundsätzlich der Planung zustimmen, im Hauptausschuss aber über die Fläche entscheiden werden.

Der Knackpunkt ist nämlich tatsächlich folgender:

Im gleichen Ausschuss haben wir unter anderem über ein neues Wohngebiet diskutiert. Und für solche Gebiete braucht es Ausgleich. Wohngebiete versiegeln Fläche, man braucht Straßen und allgemein wissen wir: Mehr Häuser bedeutet meist auch weniger Natur.

Auf der anderen Seite macht man es sich aber vielleicht zu leicht, wenn man wie schon öfter in der Vergangenheit, in der Folge landwirtschaftliche Fläche als Kompensationsfläche nutzt. Natürlich ist Wald schön, aber wie können wir auf der einen Seite mehr lokale Nahrungsmittel erzeugen und verkaufen wollen, den Landwirten ein auskömmliches Dasein erlauben und von Massenprodukten weg, wenn wir „einfach so“ deren Fläche anderweitig nutzen?

Und hier ist die spannende Frage: Machen wir es uns nicht zu leicht in den Entscheidungen? Und mit wir ist die Politik insgesamt gemeint.

Müssen wir nicht über die Prioritäten nachdenken? Ja, wir brauchen Wohnraum. Ja, wir brauchen Natur(schutz). Ja, wir brauchen landwirtschaftliche Nutzfläche.

Der hier entstehende Zielkonflikt macht deutlich, dass wir uns mal sehr intensiv und parteiübergreifend unterhalten müssen. Zum Beispiel auch über die Frage, ob es nicht Flächen gibt, die man der Natur zurückgeben kann. Dazu gibt es beispielsweise einen grünen Antrag.

Und deswegen werden wir heute und kommende Woche „nur“ für die jetzt notwendigen 10.590 Quadratmeter stimmen. Und hoffen, dass wir im Anschluss daran mit den anderen Fraktionen im Rat ein gemeinsames Verständnis darüber erreichen, wie wir in Zukunft mit Flächenverbrauch umgehen wollen.

Die hier besprochene Fläche wird dennoch über die nächsten Jahre Waldersatz werden. Aber der Landwirt kann sie noch eine Weile bearbeiten und die Politik hat die Möglichkeit, eine Lösung zu suchen, die das Beste aus den drei Zielen vereint. Und daher stimmen die Grünen heute für weniger Wald als möglich wäre. So paradox das klingt.

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