Luftreiniger in den Voerder Schulen?

Ein Gastkommentar:

Kurz vor dem Ende der Sommerferien stellt die Voerder CDU einen Antrag, in dem sie die „kurzfristige Anschaffung von Lüftungsfiltern für die weiterführenden Schulen in Voerde“ fordert. Was ist davon zu halten? Eine kurze Replik:

 

Allgemein zu den Luftfiltern in Schulen:

  • Zunächst war die Auffassung des Umweltbundesamtes (UBA), dass Luftreiniger in Räumen der Kategorie 1 keinen zusätzlichen Nutzen haben. Zur Kategorie 1 gehören alle Räume, in denen es Fenster gibt, die sich komplett öffnen lassen. In Voerde gibt es glücklicherweise nur solche.
  • Also gab es von der Landespolitik (CDU und FDP)  auch nur eine Förderung für Luftreiniger, die in Räumen aufgestellt werden, in denen es keine Fenster gibt bzw. nur solche, die sich nicht ganz öffnen lassen.
  • Die Voerder Politik war sich also einig, dass in Voerde keine Luftreiniger angeschafft werden sollten, u.a. weil das ohne Förderung ja auch finanziell gar nicht leistbar ist.
  • Im Juli 2021 änderte das Umweltbundesamt seine Auffassung dahingehend, dass Luftreiniger auch in Räumen der Kategorie 1 einen Nutzen haben KÖNNTEN, „insbesondere wenn die vom UBA empfohlene Lüftung und die Befolgung der AHA-Regeln nicht konsequent umgesetzt wird“, was ja der Fall ist, da bei voller Klassenstärke sich ja in der Regel zumindest kein Abstand mehr halten lässt.
  • Daraufhin stellte die CDU Voerde den Antrag, Luftreiniger in Voerde zumindest für die Abschlussklassen anzuschaffen – auf eigene Rechnung der Stadt, da man nicht abwarten könne, ob das Land oder der Bund eigene Förderprogramme aufsetzen würde. Den Antrag verbindet sie mit dem Vorwurf des „Nichtstuns“ seitens der Politik in den Schulen.
  • Ein paar Tage später stellte die (CDU-geführte) Landesregierung noch einmal klar, dass es eine entsprechende Förderung für Räume der Kategorie 1 NICHT geben wird. 

 

Was ist also vom Antrag der CDU zu halten?

  1. Die CDU hat Recht, wenn sie der Politik in ihrem Antrag „Nichtstun“ vorwirft. Auch wenn der Beigeordnete Jörg Rütten darüber „irritiert“ ist, wie er heute von der NRZ wiedergegeben wird. Der Vorwurf richtet sich ja wahrscheinlich nicht speziell gegen die Voerder Politik, sondern gegen die Politik als Ganzes, insbesondere die Landesregierung. Von daher ist es lustig, dass ausgerechnet die Voerder CDU ihn erhebt. In den Schulen ist in Sachen Hygiene seit dem Ausbruch der Pandemie tatsächlich nichts Substantielles passiert. Das eilige Aufstellen von Seifenspendern im März 2020 kann man wohl kaum als mehr als Aktionismus bezeichnen.
  2. Der Antrag ist dennoch populistisch und überhaupt nicht zielführend. Populistisch ist er, weil die CDU sich in einer vermeintlichen Oppositionsrolle aufspielt, als würde sie nun endlich dafür sorgen, dass in den Voerder Schulen sichere Lernbedingungen herrschen. Das ist natürlich doppelter Quatsch:
  • Erstens, weil sich die CDU ja, ebenso wie die anderen Parteien in Voerde, mit der Feststellung der Verwaltung im November 2020, dass bestehende Förderprogramme in Voerde nicht greifen, zufrieden gegeben hat
  • und zweitens, weil die Voerder CDU ja nun mal auch Teil der Landes-CDU ist, die für diese fehlende Förderung verantwortlich ist.
    Nicht zielführend ist der Antrag aber außerdem, weil die Konzentration auf die Abschlussklassen genau der falsche Weg ist:Zumindest am Gymnasium sind mit Abschlussklassen die Abiturient*innen gemeint und damit diejenigen, auf die die Einschätzung des Umweltbundesamtes am allerwenigsten zutreffen. Das UBA sagt ja, dass Luftreiniger nur dann einen zusätzlichen Nutzen haben könnten, wenn sich die AHA-Regeln nicht konsequent umsetzen lassen. Gerade die Abiturient*innen können sich aber doch an die Hygieneregeln viel besser halten als bspw. Grundschüler*innen und sie können auch eher die Alltagsmasken über einen längeren Zeitraum tragen als Grundschüler*innen. Und: Oberstufenkurse sind in der Regel viel kleiner als Klassen der Unter- und Mittelstufe. Nicht selten sind sie so sogar so klein, dass sich die Abstandsregeln mehr oder weniger problemlos umsetzen lassen. (Das ist bis zu einer Kursstärke von etwa 15 Schülern möglich.)

    Außerdem sind die Abiturient*innen bereits in einem Alter (16/17 Jahre), in dem die Impfung von der Stiko zwar noch nicht empfohlen wird, sie aber möglich ist und von vielen auch in Anspruch genommen wird. Bis die Luftreiniger in den Schulen tatsächlich einsatzbereit wären, kann man daher mit einer recht hohen Impfquote unter den Abiturient*innen rechnen.

    (In den zehnten Klassen der Gesamtschule und besonders in den vierten Klassen der Grundschulen sieht das natürlich alles anders aus.)

  1. Wenn überhaupt sollten Luftreiniger also für die Klassen priorisiert beschafft werden, in denen sich die AHA-Regeln tatsächlich nicht konsequent umsetzen lassen und in denen auch in einigen Monaten eine sehr geringe Impfquote zu erwarten ist. Das sind vor allem die Grundschulen und die unteren Klassen der weiterführenden Schulen. Außerdem gehören dazu die KiTas, über die überhaupt nicht gesprochen wird. In den KiTas und Grundschulen sitzen diejenigen, für die eine Impfung überhaupt nicht infrage kommt und damit die zur Zeit vulnerabelsten Gruppen, zumindest so lange, wie „Long Covid“ bei Kindern noch viel zu wenig erforscht ist. 
  1. In den weiterführenden Schulen und in den von der CDU angesprochenen Abschlussklassen ist etwas ganz Anderes viel sinnvoller: CO2-Ampeln erinnern Lehrer und Schüler*innen regelmäßig daran, die Fenster zu öffnen und gut durchzulüften. Sie erfüllen damit sogar einen pädagogischen Nutzen, weil sie für das Thema Luftqualität sensibilisieren. CO2-Ampeln wurden durch die Stadt Voerde bereits im November 2020 beschafft – aber so eine Nachricht ist halt weniger Wirksam im Wahlkampf.

 

Voerde, 10.08.2021
J.L.

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