Die Frage nach der Sicherheit – Version 2017 / 2018

Wie bereits im Vorjahr und im Vorvorjahr wollen wir hier die Gelegenheit nutzen, mal kurz auf die Kriminaltitätslage in Voerde zu schauen:

Die “Fallzahl” ging auf 1.691 Fälle zurück, wobei die Aufklärungsquote genau 50% betrug. Damit ist die Aufklärungsquote leicht im Vergleich zum Vorjahr gesunken, aber immer noch in einer beruhigenden Höhe – wie wir vor allem in den Details sehen werden. In Dinslaken haben wir 4.864 Fälle zu verzeichnen. In einer einfachen Logik könnte man sagen, dass Dinslaken doppelt so viele Einwohner, aber weit mehr als doppelt so viele Fälle von Kriminalität ertragen muss.

Rechnet man die Fallzahl auf 100.000 Bürger um, so kommt man zu dem Ergebnis das im Laufe des Jahres Voerde nur 4.662 in irgendewiner Form mit Kriminalität in Berührung kämen (wenn wir denn so viele Einwohner hätten), während es in Dinslaken 7.182 und in Wesel sogar 8.303 waren. Das bedeutet, dass die relative Kriminalität insgesamt in Voerde erfreulich niedrig ist.

Guckt man in die Details wird es noch besser:

Nach einem statistischen Ausreißer von 62 Fällen von Gewaltkriminalität in 2016 gab es im abgelaufenen Jahr 2017 in Voerde nur 49 Fälle. Von denen knapp 86% aufgeklärt werden konnten. Damit ist die Anzahl um 13 Fälle zurück gegangen, die Aufkläruing aber um 10% besser geworden.

Die Anzahl von Raub-Delikten ist in Voerde im langfristigen Vergleich abnehmend: Waren es 2012 noch 14, so waren es 2016 nur 10 und 2017 nur 7 Fälle von Raub, die Voerde getroffen haben. Die Anzahl von Körperverletzungen ist auf 41 zurückgegangen, von 49 im Vorjahr. Wobei hier über die Jahre leider ein Wert zwischen 40 und 50 die Regel scheint. In dem Bereich sind wir jetzt aber wieder an der unteren Grenze.

Die Anzahl der Sexualdelikte ist ebenfalls zurück gegangen, und zwar um 20%, während die Aufklärungsquote mit 75% stabil blieb. In Zahlen gabe es in Voerde “nur” 16 solcher Delikte.

Ebenfalls rückläufig ist die Anzahl der Diebstähle, von 781 auf 683. Leider ist hier auch die Aufklärungsquote von 24 auf 19% gesunken. Die Anzahl der Diebstähle ist die niedrigste seit  2014, wo wir noch gut 200 Delikte mehr hatten.

Mit 133 Diebstählen von Fahrrädern sind wir in Voerde zwar unter Vorjahresniveau (156) aber höher als in den Jahren davor (115-117). Das erscheint sehr viel, verglichen mit Dinslaken aber, wo es 550 Räder waren, ist es relativ gesehen nicht ganz so schlimm. Autos wurden in Voerde gar nur 3 gestohlen.

Sehr erfreulich ist dagegen, dass wir mit nur 62 Wohnungseinbrüchen den tiefsten Punkt der letzten Jahre erreicht haben – und gemessen an den 100 aus dem Vorjahr einen Rückgang von 40% feststellen dürfen. Gleiches gilt für die konstant abnehmende Zahl von Betrügen, die von 346 im Jahr 2014 auf nur noch 169 Fälle zurückgegangen sind.

Stark angestiegen ist jedoch die Anzahl der Rauschgift-Delikte von 63 in 2016 auf 80 in 2017. Das ist mehr als das Doppelte von 2014. Leider weist die Statistik dabei nicht aus, wie viel davon auf harte und wie viel davon auf weiche Drogen zurück zu führen ist. Allerdings hilft auch hier wieder ein Blick in die Nachbarstadt: Dinslaken sollte auf Grund seiner Einwohner hier bei um die 160 liegen, tatsächlich sind es 455. Das relativiert die Zahl für Voerde dann doch wieder.

Insgesamt führen bei der Alterstruktur die Erwachsenen mit großem, Vorscprung vor Heranwachsenden und Jugendlichen – dieses Verhältnis ist im Vergleich zum Vorjahr fast konstant. Mit 62 Fällen von tatverdächtigen Jugendlichen, 67 Heranwachsenden, aber 537 Erwachsenen kann man nicht konstatieren, es gäbe ein Problem mit kriminellen Jugendlichen.

Im Fazit bedeutet das:

Auch wenn jede Straftat eine Straftat zu viel ist, vor allem wenn es Betroffene oder Opfer gibt, gilt für Voerde das es hier ruhig zu geht. Verglichen mit unserem Nachbarn Dinslaken sind die Zahlen auf erfreulich niedrigem Niveau. Über die Jahre betrachtet scheint die Polizei des Kreises die richtigen Akzente gesetzt zu haben.

Bemerkenswert ist der Anstieg der Rauschgiftdelikte und keine Aussage ist möglich zu politisch motivierter Gewalt. Abgesehen davon aber dürfte klar sein, dass Voerde nach wie vor ein sehr sicherer Ort zum Leben ist. Und das sich, was das angeht, Zahlen und gefühlte Realität sehr nah sein dürften: Niemand sollte in Voerde das Gefühl haben, unsicher zu leben. Und jetzt kann man sich auch mit Blick auf die Zahlen dieses Gefühl noch mal bestätigen lassen.

Zweites erfolgreiches Sparkassen-Jahr?

Wenn man der NRZ von heute glauben schenken will – und warum sollte man das nicht – wird der noch ausstehende Jahresabschlussbericht der Nispa für das zweite Jahr in Folge gute Nachrichten enthalten. Die NRZ schreibt:

Die drei Kommunen hatten sich vor der Fusion verpflichtet, im Fall der Fälle mit 20 Millionen Euro für vom Ausfall bedrohte Kredite ihrer damaligen, in finanzielle Schieflage geratenen Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe gerade zu stehen.

Die Summe soll sich nach NRZ-Informationen deutlich um mehrere Millionen Euro verringert haben. (…)

Dem Vernehmen nach war es nicht die einzige gute Nachricht, die der Vorstand der Nispa bei der gemeinsamen Informationsveranstaltung im großen Sitzungssaal des Voerder Rathauses im Beisein auch der drei Bürgermeister verkünden konnte: So soll wegen des deutlich höheren Gewinns von der Nispa insgesamt mehr als sechs Millionen Euro an Gewerbesteuer nach Dinslaken, Voerde und Hünxe fließen.

Wenn sich das so bewahrheitet, und das Maß ist hier der testierte Abschluss und nicht eine Info-Veranstaltung, dann wäre das sehr gut. Sogar sehr sehr gut. Und nach der guten Nachricht im letzten Jahr das zweite Jahr in Folge, in dem man feststellen kann:

  1. Die Fusion der beiden Sparkassen war offensichtlich der richtige Schritt und
  2. die Konsolidierung wird auf allen Ebenen mitgetrachten.

Zum Schluss unter 1) kommt man, wenn man sich die alles andere als optimale Ausgangsposition ansieht. Und 2) ist offensichtlich, denn eine Fusion wie diese ist nur dann erfolgreich zu stemmen, wenn die Mitarbeiter sie mit tragen und sich ins Zeug legen für “ihre Sparkasse”. Davon kann man wohl ausgehen, wenn trotz der miesen Zinslage das Ergebnis auch nur annähernd so ist, wie die NRZ hier anklingen läßt.

In all den schlechten Nachrichten wären das mal gute Nachrichten. Jetzt steigt natürlich die Spannung, bis die Sparkasse selbst die Katze aus dem Sack läßt 🙂

Wir wünsche Euch ein friedliches und stimmungsvolles Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins NEUE JAHR.

­In die Welt mit ihrem hellen Schein

zieht nun der Geist der Weihnacht ein.

Stille Hoffnung ruht in Herzen,

aus den Häusern künden Kerzen

von dem Licht, das uns erfülle

und in sanften Frohsinn hülle.

Tages-Müh’ und Jahres-Last

möge ruh’n in dieser Zeit,

bis wir reichlich Mut gefasst

und für’s Neue Jahr bereit.

Gott schenke uns Kraft und Gelassenheit,

Erlebnisbereitschaft für den Moment,

auch für das Besinnliche etwas Zeit

und für’s Alltägliche möglichst Talent.

 

(c) Ingrid Hassmann

Das Ende von Jamaika. Keine Überraschung.

Zum Ende der Jamaika-Verhandlungen haben wir zwei Statements abgegeben:

Jörg Thomas, Sprecher der Grünen in Voerde, findet es traurig, „dass der Wählerauftrag nicht so angenommen wurde, wie er sich dargestellt hat“. Er hätte sich insbesondere von der FDP mehr Kompromissbereitschaft gewünscht. Bei Neuwahlen, glaubt er, würden die Liberalen und „zu Unrecht“ die Grünen, die sich rede- und kompromiss-bereit gezeigt hätten, abgestraft.

Quelle: NRZ

Das Verhalten der FDP ist für Stefan Meiners, Vorsitzender der Voerer Ratsfraktion der Grünen, ein Mediencoup gewesen. Das Scheitern der Gespräche hat ihn nicht überrascht, wohl aber der Tag und die Art und Weise. “Das war stillos, nicht spontan, sondern von der FDP geplant”, so Meiners. In den Verhandlungen hätten CDU und Grüne versucht, Kompromisse zu finden, die FDP habe markige Sprüche geklopft, die CSU den Hardliner gegeben. Nach seiner Ansicht hätten die Sondierungsgespräche nicht mit dem Scheitern enden müssen, strittige Themen, bei denen man sich nicht einigen konnte, hätten vielmehr in den Koalitionsverhandlungen behandelt werden sollen. An eine Minderheitsregierung mag Meiners nicht glauben, er rechnet eher mit Neuwahlen.

Quelle: RP

Liebes Tagebuch, es ist vorbei :-)

So…. das war es dann wohl 🙂

Am Freitag Abend war ich noch mal in der Diskutier Bar und habe dort 30 Minuten lang den bohrenden Fragen des Moderators (*hust*) Stand gehalten. Woe man mir vermutlich ansieht, hat mich das an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht 😉

Zwischendurch kam noch der Kreisvorstand vorbei und brachte die “Danke fürs Klimaschützen”-Anhänger vorbei. Logisch, dass aus dem 30-Minuten-Interview ein 4-Stunden-Aufenthalt in der Diskutier Bar wurde.

Heute morgen dann der letzte Marktstand in Voerde, natürlich mit den Besten der mir bekannten Grünen 😉 Los ging es schon um 8 Uhr:

Und von da dann direkt durch nach Wesel, Endspurt in der Weseler Einkaufsstraße:

An beiden Ständen war gut was los und überraschend viele Leute haben die Gelegenheit nutzen wollen, auch mal länger zu diskutieren. Dabei waren die Kernthemen nicht die, die man nach den Wahlarenen annehmen konnte. Statt dessen wurde viel über Trump und Kim Jong Un gesprochen. Über bäuerliche Landwirtschaft am Niederrhein und über Fragen zum Thema Mobilität und Verkehr. Auch die Rente spielte eine wichtige Rolle.

Als ich dann um 15 Uhr wieder zu Hause war, bin ich erst Mal tot ins Bett gefallen und habe eine Stunde genickert.

Der aktive Teil des Wahlkampfes ist damit vorbei und irgendwie ist das schade. Zwar war das vor allem in den letzten Tagen und Wochen teilweise echt stressig – aber es brachte auch extrem viel gutes Feedback. Ich konnte viel lernen, konnte viel mit Menschen reden und hatte mit meinen Mitstreiter/-innen eine echt gute Zeit.

Und jetzt heisst es gespannt sein: Was wird morgen die Wahl bringen? Wie schneiden wir ab? Wer zieht alles in den neuen Bundestag ein?

Und weiter geht es…

Wieder sind ein paar Tage rum und wieder waren viele spannende Termine dabei.

Angefangen mit dem DGB.

Der hatte zu einer Diskussion – vor allem zum Thema Rente – in Wesel eingeladen und das als “Speed-Dating” veranstaltet. Also die Gruppe auf Tische verteilt und wir Kandidaten haben nacheinander die Tische besucht.

Ich habe direkt am Anfang gestanden, dass ich weder für Arbeitsmarkt, noch Rente ein Experte bin und mein solides Halbwissen durchaus auch mit “Die Anstalt” im ZDF aufbaue. Das brachte mir zumindest ein paar Lacher ein.

Die folgenden Diskussionen in den Gruppen waren aber super, weil es den Teilnehmern nicht darum ging mir zu zeigen wie wenig Ahnung ich habe – sondern vor allem darum über echte Probleme zu sprechen. Insgesamt war das eine super Veranstaltung, auch weil der Kollege von Rechts (mal wieder) nicht dabei war.

 

Kurz darauf war ich zu Gast bei der Gesamtschule Hünxe.

Dort hatte man sich ein ähnliches Format ausgedacht und nach einer gemeinsamen Vorstellung ging es in die Gruppen. Die Schüler/-innen haben sich echt Mühe gegeben, die Veranstaltung zu organisieren und ich fand vor allem die Kleinigkeiten toll:

Auch hier wieder: Kurze Vorstellung aller Kandidaten und dann ab in die Gruppen. Die haben es mir echt nicht leicht gemacht, weil jede Gruppe eine große Menge an Fragen hatte und man für jede Antwort nur 3 Minuten Zeit. Das ist, gerade bei komplexen Fragen wie der Verkehrswende, echt nicht viel

Sehr erfreut war ich am nächsten Morgen, weil in der RP ein wirklich toller Artikel war:

“Bei den Schülern schien am Ende vor allem Stefan Meiners Eindruck machen zu können. Der Bundestagskandidat der Grünen punktete nicht nur in den Gesprächsrunden mit Kompetenz in Sachen Internet und soziale Medien, sondern auch mit einem klaren Statement zum Abschluss der Veranstaltung. “Was die Parteien am rechten Rand zu bieten haben, ist nichts Neues. Das ist der gleiche Scheiß, den wir in Deutschland schon mal hatten – von 1933 bis 1945″, sagte er und bekam dafür viel Applaus.”

 

Der nächste Stop war das Gymnasium Kamp-Lintfort, wo wir zu einer “normalen” Diskussion eingeladen waren.

Interessanterweise blieb der Kollege von Rechts der Veranstaltung fern. Natürlich ohne abzusagen. Was aber irgendwie auch nicht verwundert, weil in Hünxe ihm die Schülerinnen und Schüler schon die Hölle heiß gemacht hatten, weil er schlicht nicht eine Frage beantworten wollte.

Was mir in KL sehr gut gefallen hat waren die ebenfalls sehr aufgeweckten Menschen im Publikum. Ich glaube, dass man den Erstwählern heute einfach keinen Mist mehr verkaufen kann, sonder möglichst gut und offen mit ihnen reden muss. Sie nehmen schlechte Wahrheiten deutlich besser auf, als gut gemeinte Märchen – etwas was vielleicht der eine oder andere aus der Politik noch nicht gemerkt hat.

Das zeigt mir vor allem eine Rückmeldung aus einer der zahlreichen Schulveranstaltungen, die ebenfalls diese Woche ankam:

“Sie waren ja noch so von Schülerinnen und Schülern belagert, dass ich gar nicht mehr dazu kam Sie zu verabschieden. (…) Doch das sei Ihnen hoch angerechnet, es wäre schade gewesen, die Erstwähler stehen lassen zu müssen. (…)
Ihr Engagement – es war wirklich und wahrhaftig ein “Stress-Test” -, die Deutlichkeit Ihrer Aussagen und die Nähe der Begegnung haben die Schülerinnen und Schüler rundum begeistert (…)”

Wenn das dazu führt, dass vielleicht ein paar mehr junge Leute zur Wahl gehen und auch ihre Freundinnen und Freunde motivieren, ist viel gewonnen. Und dann schaffen wir es auch, die AFD unter 5% zu drücken.

Und jetzt auf in die letzte Woche 🙂

Muntere Diskussionsrunden

In den letzten Tagen knubbelten sich die Veranstaltungen im Wahlkampf und das Pendel schlug immer zwischen “im Streß” und “hochgradig amüsiert” aus. Besonders bemerkenswert waren sicherlich die 3 größeren Podien in der letzten Woche.

Angefangen am Mittwoch mit der Einladung zu den Kreisbauern:

Das man als Grüner nicht unbedingt Blumentöpfe gewinnt, wenn man sich mit Landwirten trifft, ist klar. Insofern war ich sehr gespannt auf die Veranstlatung, die in der Niederrhein-Halle statt fand.

Meine “Taktik” war – wie immer – das Spiel mit offenen Karten. Von daher habe ich direkt in der Vorstellung klar gemacht, dass ich kein Spezialist bin. Im Gegenteil, über Landwirtschaft weiß ich eigentlich nur, was ich im Radio höre und von politischen Freunden in der Landwirtschaft weiß. Ich habe daher geworben, die Veranstaltung auch als Auftakt eines langen Prozsses zu sehen, in dem wir gegenseitig versuchen zu verstehen, was der jeweils andere denkt und warum.

Die Veranstaltunfg war überaus professionell moderiert und die Fragen aus der Reihe der Veranstalter teilweise recht kniffelig. Spannender waren aber die Beiträge aus dem Publikum, die sehr schnell ein Problem deutlich gemacht haben, das ich gar nicht auf dem Schirm hatte: Nämlich das Landwirte oft die Buhmänner der Nation sind – und eigentlich ihre Bedeutung und vor allem die ihrer Produkte gar nicht angemessen gewürdigt wird.

Interessanter Weise kam eines der Kernthemen (Nitrateinbringung durch Gülle) am Freitag in einer anderen Form auch noch mal auf das (Diskussion-)Tablett.

Im Nachgang zum offiziellen Teil hatte ich noch die Gelegenheit mit einigen Landwirten unter 6 und 8 Augen zu sprechen. Und auch wenn ich glaube, dass das nicht Grüne Stammwähler werden, glaube ich doch, dass es gute Gespräche waren.

Am Ende habe ich mir dann gewünscht, dass wir nicht auf FDP und CDU hören und uns erst in 4 Jahren wiedersehen. Sondern das die Kreisbauernschaft mal darüber nachdenkt, regelmäßig mit der Politik so zu diskutieren. Denn was sich über 4 Jahre aufstaut, baut man nicht an einem Abend ab.

Die RP war zugegen und berichetet hier: Klick!

Nur einen Tag später rief der Mittelstand nach Hamminkeln:

Die Initiative Pro Mittelstand hatte ebenfalls eingeladen und ich war gespannt. Der Einstieg ist mir nicht gut gelungen, aber ich glaube ich brauche mich nicht hinter den anderen Kandidaten zu verstecken. Insbesondere, weil von denen manchmal reichlich Unsinn kam.

So forderte z. B. die FDP, dass Steuerüberschüsse an Bürger/-innen zurückgezahlt werden sollen. Ich habe mir dann erlaubt darauf hinzuweisen, dass wir damit gefälligst die deutschen Schulden tilgen und längst überfällige Investitionen (u. a. in die Infrastruktur und Schulen) durchführen müssen. Die RP umschrieb das so:

“Reuther, wirtschaftsnah und selbstbewusst, fand auch “sinnvollere Möglichkeiten, das Geld auszugeben”. Meiners, eloquent und gerne mit der Attitüde, vieles genau und besser zu wissen, forderte, Infrastruktur und Schulausbau zu finanzieren.”

Na gut, eloquent ist nett und offensichtlich war es noch nicht arrogant 🙂

Was mir nicht gefallen hat war, dass die AFD “Unterstützter” dabei hatten:

Der sehr gute Moderator hatte an einer Stelle einen Artikel als Bezug, der auch “Tichys Einblick” stammte. Ich habe mir – vor der Antwort – erlaubt zu sagen, dass ich den Text nicht inhaltlich anzweifel, das Magazin aber schon sehr weit rechts steht. Darauf hin meldete sich ein AFD-Unterstützter aus dem Publikum und gab zum Besten:

“Ich lese auch Tichys Einblick und die Junge Freiheit. Ich bin auch gegen staatlich finanzierten Linksextremismus. Aber ich bin doch deswegen nichts rechts, ich bin ein Bürger der Mitte!”

Keine Ahnung wie, aber ich habe geschafft, darauf nicht einzugehen. Das was ich an der Stelle gesagt hätte, wäre nicht nett gewesen 😉

Insgesamt war die Veranstaltung aber klasse und ich habe auch hier den Wunsch geäußert, dass wir uns nicht erst kurz vor der nächsten Bundestagswahl wiedersehen.

Der Artikel der RP ist übrigens hier: Klick!

Am Freitag dann  Gülle & Nitrat in Rheinberg:

Eingeladen von den Grünen Rheinberg saß ich diesmal nicht auf dem Podium, den Job hat die sehr gute Ophelia übernommen.

Gleichwohl kam es im Anschluss an den offiziellen Teil zu vielen Gesprächen in kleinen Gruppen. In denen ich auch noch spannende Infos von Angela Herzberg erhalten habe, was das Wasser und die Trinkwasserqualität im Kreis Wesel angeht.

Im Laufe der Diskussion konnte ich zudem noch einige spannende Fakten insbesondere über die neue Düngeverordnung (und deren zu erwartende Wirkungslosigkeit) erfahren. Aber auch eben noch mal über die unglückliche Position der Landwirte: Denn selbst wenn die sich an alle gültigen Regeln halten, wird das nicht zwangsläufig zu einer Problemminderung führen. Hier waren die Ausfürhungen der Expertin des Wasserverbundes Niederrhein sehr erhellend – und trugen dazu bei, dass auch in dem teilweise sehr kritischen Publikum die Leute umdachten.

Aus der RP habe ich leider bisher nur einen “Vorher”-Artikel: Klick!

Radinfrastruktur im Kreis: Es gibt viel zu tun

Auf Einladung des ADFC Dinslaken-Voerde konnte ich heute eine Radtour begleiten, die sich mit den alltäglichen Merkwürdigkeiten beschäftigt. Insbesondere ging es darum Punkte anzufahren, die die Unsinnigkeit eines PKW-zentrierten Planens belegen.

Durchfahrt für alle Fahrzeuge verboten. Also auch für Fahrräder

Man muss auf Voerder Stadtgebiet auch gar nicht lange suchen, um solche Ecken zu finden. Und es ist überraschend, denn manchmal schon würde ein kleines Zusatzschild “Fahrräder frei” das Problem lösen.

Auch die eine oder andere Radwegführung “um 20 Ecken” lässt den Radfahrer staunen: Warum zum Beispiel muss an einer Straße, auf der Tempo 30 ist, der Radfahrer 2 mal die Straßenseite wechseln, nur damit Autos ungestört unter einer Brücke durchkommen? Macht an einer Tempo 30-Straße eine Benutzungspflicht für Radwege überhaupt Sinn?

(Mal abgesehen von der Frage ob das rechtlich zulässig ist.)

Kein Durchkommen. Und hoffentlich kein Gegenverkehr

Aber auch Maßnahmen zur vermeintlichen Erhöhung der Verkehrssicherheit können ab und an genau das Gegenteil bewirken. Zum Beispiel dann, wenn Verbindungswege so eng gebaut werden, dass man nicht einmal mehr hintereinander vernünftig durch dahren kann.

Natürlich ist nicht alles schlecht und besonders in Voerde gibt es ja wunderschöne Ecken zum Radfahren.aber auch hier fällt auf, dass sich bei der Anlage der Straßen offensichtlich niemand Gedanken gemacht hat, wie man Rad-, Fuß- und Krafverkehr zusammen sicher von A nach B bekommt.

Einfach schön entlang der Felder rollen

Für mich ist das eine sehr spannende Tour gewesen. Die mir zeigt, dass meine Bestrebungen für die Verkehrswende sehr wichtig sind. Denn wenn wir zunehmend Autos von der Straße holen wollen, brauchen wir neben einem guten und breit aufgestellten ÖPNV eben auch gute und schnell Radwegverbindungen.

Für den Fall, dass mal jemand fragt, warum ich so gern am Niederrhein lebe 😀

Das gilt nicht nur für Voerde oder den Kreis Wesel, sondern für ganze Deutschland. Obwohl ich mir natürlich wünschen würde, dass der Kreis hier eine Vorreiterrolle einnimmt 🙂

Podiumsdiskussion bei der Rheinischen Post

Am Mittwoch fand Abends in den Räumen der Rheinischen Post in Wesel eine Podiumsdiskussion statt. Geladen waren die Bundestagsbewerber/-innen des Wahlkreises 115 Wesel 1 und ungefähr 50 Leserinnen und Leser der RP. Geleitet wurde die Veranstaltung von Sebastian Peters, dem Leiter der Lokalredaktion. Da ich wenig Erfahrung mit solchen Diskussionen habe, war das schon spannend. Und da ich mit dem Format “Leser fragen” noch nie zu tun hatte, noch mehr.

Nachfolgend meine ganz persönlichen Eindrücke von der Veranstaltung, über die man am Freitag wohl ausführlich lesen können wird:

Das Erste was mir aufgefallen ist war, dass vom Podium aus gesehen die Reihenfolge der Kandidaten von Links nach Rechts passte: PDL, Grüne, (FDP), SPD, CDU und die extreme Rechte. Der Kandidat der Letzteren muss irgendwie bei der RP in Ungnade gefallen sein, denn erstens war er der Einzige, der ein reines Papier-Namensschild hatte. Er schien auch nicht sonderlich beliebt zu sein (auch nicht beim Moderator) und erhöhte seine Beliebtheit auch nicht, als er in der Vorstellungsrunde betonte, er sei Doktor.

Die Fragerunde ging sehr spannend damit los, als ein junger Mann aus Afghanistan wissen wollte, ob wir das Land für sicher und geeignet für die Aufnahme von Abschiebungen ist. Spannend war zu sehen, wie die CDU-Kandidatin sich wand um zu verkaufen, es gäbe ja Regionen die sicher wären. Der Herr von der Rechten hatte da weniger Probleme und verwies darauf, dass Krieg in Ländern ja nie überall gleichzeitig wäre. Auf die Frage warum er dann keinen Urlaub dort machen würde, betonte er, seine Frau hätte als Amerikanische Soldatin dort gedient. Interessant. Es war übrigens der Doktor-Kandidat, der auf der Website seiner eigenen Partei nicht mal ein Foto hat und weder beim WDR, noch bei Abgeordnetenwatch auftaucht.

Sabine Weiß von der CDU fiel mir dann noch mal sehr unangenehm auf, weil sie sich standhaft weigerte eine eigentlich einfache Frage nach Gerechtigkeit zu beantworten und sogar richtig laut wurde. Ich fand sie unangemessen arrogant den Menschen gegenüber und aus den Reaktionen glaube ich entnehmen zu können, dass das Publikum das auch so sah. Die CDU-Kandidatin musste dann auch ganz schnell wieder gehen, keine Zeit, sie wissen schon. Für den Kandidatencheck beim WDR und Abgeordentenwatch hatte sie übrigens auch keine Zeit.

Bei der zweiten Frage habe ich mir leider einen Patzer erlaubt. Ich dachte der Fragesteller will was über die Chancen und Risiken der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt wissen. Tatsächlich konkretisierte er hinterher in Richtung Bildungschancen und Gleichheit – da war meine Antwort aber ja schon weg. Sehr schön wieder der Herr von der Rechten der zu berichten wußte, dass wer Abitur hat, ja längst nicht in der Lage sein muss, auch die Leistungen für ein Abitur zu erbringen. Leider führte er das nicht weiter aus.

Sehr schön war auch sein Wunsch, die GEZ-Steuer (ja wirklich, GEZ und das sei “wie eine Steuer”) abzuschaffen. Weil er nicht dafür bezahlen will, dass seine Partei in den deutschen Medien immer falsch dargestellt wird. Was komisch war, weil ich den Eindruck hatte, dass er sich als genau der politisch extrem Rechte darstellte, den ich in genau der Partei erwartet habe.

Er führte auch nicht weiter aus, gegen wen die Bundeswehr denn die Grenzen schützen muss. Denn seine Forderung war, die Bundeswehr müsse Deutschlands Grenzen gegen Eindringlinge schützen. Flüchtlinge auf dem Mittelmeer sind übrigens für ihn keine Flüchtlinge, sondern Migranten. Ob es das besser macht, wenn sie ertrinken, beantwortete er auch nicht.

Was die Flüchtlinge angeht habe ich mich auch sehr geärgert. Nicht nur über die merkwürdigen Einstellungen des Doktors. Auch die FDP griff hier tief ins Klo, als deren Vertreter meinte, Einwanderung müsse nach Türen geregelt werden. Sinngemäß Tür 1 für Kriegsflüchtlinge, 2 für politisch Verfolgte, 3 für hoch gebildete und 4 für die die zurück müssen. Da bin ich dann explodiert und habe gefragt,

  • was für ein beschissenes Weltbild das eigentlich ist, in dem Menschen in Gruppen eingeteilt und für Würdig oder nicht befunden werden und
  • was der Unterschied ist zwischen den angeblichen Wirtschaftsflüchtlingen vor denen alle so Angst haben und einem Dinslakener Sänger, der pressewirksam in die USA auswandert oder den “typisch deutschen Familien” denen man für ihre Auswanderung gar ganze TV-Shows schenkt.

Außerdem habe ich dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Wesel, Ludger Hovest, vorgeworfen absoluten Bullshit zu verbreiten. Denn aus dem Publikum heraus warf dieser ein, dass schließlich 95% aller Flüchtlinge die zu uns kommen, Wirtschaftsflüchtlinge wären. Der bemitleidenswerte Kandidat der SPD, Jürgen Preuß, konnte sich noch in ein “das höre ich heute zum ersten Mal” retten. Den anwesenden Jusos fiel allerdings der Kit aus der Brille.

Leider waren da die gut 2 Stunden schon rum und die Veranstaltung zu Ende. Insgesamt war es sehr spannend und unterhaltsam und ich finde das alle Kandidaten sich so verhalten haben, wie ich es erwartet hätte. Vielleicht abgesehen von der FDP-Entgleisung mit der Türe. Die PDL übrigens, vertreten von Gerd Baßfeld, war überraschend wenig angriffslustig. Er verwies nur mehrmals auf den Appell des Papstes.

Fazit: Jederzeit gerne wieder. Gernerer ohne Herrn Doktor.

Und sehr gefreut habe ich mich, als Anfänger in solchen Dingen, über das sehr positive Feedback. Auch meinen Ausraster am Ende hat man mir wohl nicht übel genommen. Im Gegenteil, meine direkten Ansagen wurden gelobt – das freut natürlich ganz besonders.

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